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Zeitgeschehen
Sanierungarbeiten am Jüdischen Friedhof
Die 2 700 Meter lange historische Ziegelmauer des Jüdischen Friedhofs in Berlin-Weißensee wird in den nächsten drei Jahren saniert. Die Restaurierung auf einer Länge von zunächst rund 1.000 Metern schließt auch die wertvollen Wand- und Familiengräber entlang der Umfriedung ein. Für die Bauarbeiten auf einem der größten jüdischen Friedhöfe weltweit stellen der Bund und das Land Berlin jeweils 995.000 Euro zur Verfügung. Für Dezember 2010 will das Berliner Landesdenkmalamt Vertreter anderer bedeutender jüdischer Friedhöfe in Europa zu einer internationalen Konferenz einladen, um eventuell ein gemeinsames Vorgehen abzustimmen. Der Weißenseer Friedhof umfasst nach Angaben des Landesdenkmalamtes etwa
115.000 Gräber.
Kirche mit Eintritt
Die Lübecker Stadtkirche St. Marien wird künftig von ihren Besuchern zwei Euro Eintritt verlangen. Die Einnahmen der Gemeinde reichten nicht mehr aus, die Unterhaltungskosten zu decken, sagte Pastorin Ina von Kortzfleisch. Kinder und Jugendliche können die Kirche weiterhin kostenlos besuchen. Auch wer die Kirche zum Gebet aufsucht, muss keinen Eintritt zahlen. Studenten, Hartz-IV-Empfänger und Besucher in Touristengruppen zahlen ermäßigt 1,50 Euro. Der "Marientaler" wird vom 15. März 2010 an erhoben.
Die 750 Jahre alte Marien-Kirche mit ihren beiden mächtigen Türmen ist mit 38 Metern Deckenhöhe die größte Backstein-Basilika der Welt. Sie war die erste hochgotische Ostsee-Kirche und Vorbild für rund 70 weitere Backsteinkirchen in Wismar, Stralsund, Danzig und Riga. Rund eine Million Besucher werden pro Jahr gezählt - weit mehr als im benachbarten Dom.
Weltgebetstag-Liturgie aus Kamerun
Die Liturgie zum Weltgebetstag der Frauen 2010 kommt in diesem Jahr aus Kamerun, das Motto lautet "Alles, was Atem hat, lobe Gott". Die Frauen des zentralafrikanischen Landes berichten dabei von ihrem Kampf um das tägliche Überleben. Zu der ökumenischen Feier am 5. März werden in deutschen Kirchengemeinden bis zu einer Million Teilnehmerinnen erwartet.
In Kamerun, das von 1884 bis 1918 deutsche Kolonie war, gibt es den Angaben zufolge kaum religiöse oder ethnische Konflikte. Knapp die Hälfte der Bevölkerung sei christlich, daneben gibt es Anhänger von Naturreligionen und Muslime. Ein großes Problem für die Landbevölkerung sei die Ausweitung von großen Plantagen, die das Land für die Eigenversorgung der Bevölkerung verringere. Davon seien vor allem die Frauen betroffen, die durch den Verkauf eigener Früchte ein Einkommen erwirtschaften.
Jedes Jahr am ersten Freitag im März feiern Christinnen verschiedener Konfessionen auf der ganzen Welt den Weltgebetstag der Frauen. Eingeladen dazu sind auch Männer und Kinder.
Informationen und Material: Weltgebetstag - Deutsches Komitee, Deutenbacher Straße 7, 90547 Stein, 09 11/6 80 63 04.
Licht und Schatten
Kunst im öffentlichen Raum steht im Mittelpunkt seines Schaffens: Werner Mally hat Räume der Stille in Krankenhäusern entworfen, aber auch eine Figur für ein Finanzamt und einen Pavillion für einen Krisenstab bei der Polizei. "Licht Zeit Schatten" heißt der Bildband, der jetzt die bemerkenswerten Arbeiten dokumentiert. Die begleitenden Texte erläutern, interpretieren und liefern Denkanstöße.
Werner Mally: Licht Zeit Schatten. Deutscher Kunstverlag, München 2009, 74 Seiten, Euro 24,90.
Alte Pfarrwitwen
Pfarrer und ihre Frauen werden wesentlich älter als der Durchschnitt der Bevölkerung. Das haben die Verantwortlichen der Evangelischen Ruhegehaltskasse Darmstadt festgestellt. Sie bekommt von den Landeskirchen Geld zur Finanzierung der Pfarrerpensionen. Die bisherige Annahme, dass die Lebenserwartung von Theologen der der übrigen Bevölkerung entspreche, habe sich als falsch erwiesen, sagte der Finanzexperte der württembergischen Kirchenleitung, Oberkirchenrat Martin Kastrup. Dem Statistischen Bundesamt zufolge können 60-jährige Männer mit einer Lebenserwartung von durchschnittlich 80,7 Jahren rechnen, die gleichaltrigen Frauen mit 84,6 Jahren. Laut Kastrup hat die Ruhegehaltskasse ermittelt, dass Pfarrer durchschnittlich so alt wie Frauen werden, Pfarrwitwen noch beträchtlich älter.
Kirche stiftet Preis
Die bayerische Landeskirche hat einen Ehrenamtspreis gestiftet. Mit der Auszeichnung soll nach Mitteilung des Amtes für Gemeindedienst in Nürnberg das Engagement der 140.000 ehrenamtlich tätigen Kirchenmitglieder gewürdigt werden. Der mit 3.000 Euro dotierte Preis wird erstmals 2010 vergeben. Ausgezeichnet werden nicht Einzelpersonen, sondern beispielhafte Ehrenamts-Projekte aus Gottesdienst, Bildungsarbeit, Seelsorge und Sozialarbeit.
Vorschläge sind bis 15. April möglich an das Amt für Gemeindedienst, Ulrich Jakubek, Sperberstraße 70, 90461 Nürnberg.
Stiftung Orgelklang vergibt Fördermittel
Erstmals hat die Stiftung Orgelklang der evangelischen Kirche Fördermittel vergeben, um historische Orgeln zu erhalten. Die 2008 gegründete Stiftung wird fast 100.000 Euro bereitstellen. 16 Kirchengemeinden bekommen jeweils zwischen 2.500 und 10.000 Euro. Über die Hälfte der geförderten Projekte befinden sich in den östlichen Bundesländern. Die Stiftung kann ein Drittel der Antragsteller finanziell unterstützen.
Dank an Mitglieder
Die evangelische Kirche in Berlin verschickte Anfang 2010 erstmals einen Dankesbrief an ihre Mitglieder. Das Projekt sei bislang einzigartig in einer bundesdeutschen Großstadt, sagte Generalsuperintendent Ralf Meister. Das Schreiben sei ein deutliches Zeichen der Wertschätzung und enthalte einen geistlichen Impuls. Insgesamt wurden den Angaben zufolge 369 800 Briefe verschickt. Aus Kostengründen erhielt jede Familie nur einen Brief. In dem Schreiben, das von Meister unterzeichnet wurde, hieß es: "Heute bekommen Sie Post von Ihrer Kirche, und die will nichts von Ihnen. Vielmehr möchte ich Ihnen Danke sagen. Als Mitglied unserer Kirche gehören Sie zu denen, die diese Stadt gerechter und menschlicher machen." Die Kosten belaufen sich auf mehr als 140.000 Euro.
Bonhoeffer-Nachlass konserviert
Die Restaurierung eines Teils des Nachlasses des Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) in der Berliner Staatsbibliothek ist beendet. Dank zahlreicher Spenden aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, den usa und Kanada konnten die gefährdeten knapp 2.000 der insgesamt über 10.000 Blätter konserviert werden. Zusätzlich zu der Restaurierung erwarb die Staatsbibliothek aus den Spendengeldern weitere 40 Briefe und 25 Postkarten Bonhoeffers aus Familienbesitz sowie zwölf handschriftliche Briefe seiner Braut Maria von Wedemeyer. Darunter ist eine von Wedemeyer angefertigte Abschrift des berühmten Bonhoeffer-Gedichts "Von guten Mächten" (Foto).
Erschienen in zeitzeichen Februar 02/2010.

