Buchtipps
Zeitgemäßer Islam
Lamya Kaddor: Muslimisch - weiblich - deutsch. Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam. C.H. Beck Verlag. München 2010, 206 Seiten, Euro 17,90.
Feministisch gebildete Christinnen werden sich bei der Lektüre oft an eigene Erlebnisse in einer von Traditionalisten dominierten Kirche erinnert fühlen. Auch das Bemühen der gebildeten Muslima, einer religionskritischen Öffentlichkeit zu erklären, dass es liberale islamische Frömmigkeit gibt, ist mehr als vertraut. Kaddor, Pionierin einer islamischen Religionspädagogik, hat mehr als nur ein Buch über ihren Weg zu einem zeitgemäßen Islam geschrieben. Es ist ein erhellendes Stück Gegenwartsgeschichte und ein flammendes Plädoyer für eine gebildete Religiosität.
Theologisch Flanieren
David Plüss/Tabitha Walter/Adrian Portmann (Hg.): Im Auge des Flaneurs. Fundstücke zur religiösen Lebenskunst. Theologischer Verlag, Zürich 2009, 368 Seiten, Euro 32,-.
Es ist ein Vergnügen besonderer Art, den theologisch denkenden Flaneuren auf ihren Gedankengängen zu folgen. Zum 60. Geburtstag des Praktischen Theologen Albrecht Grözinger ist diese Festschrift mit beiläufig-scharfsinnigen Nachdenkereien unter den Überschriften Flanieren, Erkundungsgänge, Reisen, Expedition und Spaziergänge entstanden. Eine Aufsatzsammlung, in die hineinzulesen sich lohnt.
Heimkinder in Bethel
Matthias Benad/Hans-Walther Schmuhl/Kerstin Stockhecke (Hg.): Endstation Freistatt. Verlag für Regionalgeschichte/Bethel-Verlag, Bielefeld 2009, Euro 24,-.
Um zu erziehen und in ihren Einrichtungen für Ordnung zu sorgen, setzten viele Erzieher in den Fünfziger- und Sechzigerjahren auf hartes Durchgreifen, auch auf körperliche Gewalt. Die evangelischen Einrichtungen bildeten keine Ausnahme. Zwei Jahre lang hat ein Team von Wissenschaftlern die damalige Fürsorgeerziehung in Freistatt untersucht, einer von den v. Bodelschwingschen Anstalten getragenen Einrichtung in Niedersachsen. Und ein Blick auf die Betheler Teilanstalt Eckardsheim befasst sich mit den Umbrüchen der Siebzigerjahre. Heimkinder und Betreuer kommen als Zeitzeugen zu Wort. Eine bemerkenswerte und lohnenswerte Aufarbeitung.
Raus aufs Land
Dieter Moor: Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht. Rowohlt Verlag, Reinbek 2009, 297 Seiten, Euro 8,95.
Aus der Schweiz nach Brandenburg: ein Schauspieler und Fernsehmoderator zwischen den ganzen Dörflern. Dieter Moor lebt mittlerweile sieben Jahre mit seiner Frau in Amerika, in einem Dorf im Brandenburgischen. Er trifft auf Frau Widdel, die sich hartnäckig weigert, Frischmilch ins Sortiment aufzunehmen. Oder mit Krüpi, der dem Neuling Land verkauft. Nicht zu vergessen Schwester Alma, die das halbe Dorf auf die Welt gebracht hat und in einem Garten wie aus dem Bilderbuch lebt. Amüsant, unterhaltsam und geistreich.
Pfarrer ermordet
Gabriele d'Este: Gotteslohn. Kriminalroman. btb Verlag, München 2010, 240, Seiten, Euro 8,-.
In Rom, unweit des Campo de' Fiori, werden Priester auf grausame Weise umgebracht. Handelt es sich um Ritualmorde? Oder sind die Hinterbliebenen eines Bäckers, der mit der Vatikanbank mysteriöse Geldgeschäfte abgewickelt hatte, in das Verbrechen verstrickt? Ein spannender Krimi, besonders reizvoll für Romliebhaber.
Käßmann als Seelsorgerin
Margot Käßmann: Zur Geborgenheit finden. Antworten auf Fragen des Lebens. Kreuz Verlag, Freiburg im Breisgau 2010, 160 Seiten, Euro 12,95.
Die Form dieses kleinen Buches mit 22 Texten in Briefform aus der Feder Margot Käßmanns verrät viel über ihre Art, Glauben ins Leben zu vermitteln: alltasgbezogen, erfahrungsorientiert und auf Augenhöhe. Es sind zwar fiktive Personen, denen sie auf konkrete Anfragen antwortet, doch ähnliche Briefe erreichen die Seelsorgerin auch im wirklichen Leben. "Schwanger? Und jetzt?", "Vergeben können" oder "Pflege aufgeben" sind beispielsweise die Themen.
Erschienen in zeitzeichen April 04/2010.

