Notabene
"Es sind junge Frauen mit Kopftuch, die gegen ein religiös-fundamentalistisches Regime kämpfen, junge Menschen, die Allahu Akbar, Allah ist groß, rufen und ihr Leben riskieren im Kampf gegen die Despotie." Gut, dass Die Zeit darauf hinweist, dass es unter Muslimen solche und solche gibt. Nicht gut, dass an diese simple Tatsache erinnert werden muss.
"Es ist eine Generation, die in dem Wahn aufwächst, Gott selbst habe ihnen dieses Land zugewiesen", schrieb der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik in der taz über die jüdischen Siedler des Westjordanlandes. Respekt! Der liberale Jude unterdrückt seine Kritik nicht aus Angst, von Antizionisten oder Antisemiten vereinnahmt zu werden.
Die römisch-katholische Kirche "muss von ihrem hohen Ross herunter. Die verlogene Sexualmoral, die Körperfeindlichkeit der katholischen Kirche ? das sind Irrlehren." Dies sagte der Frankfurter Rundschau kein Kirchenfeind, sondern ein prominenter Katholik, Heiner Geißler. Im Ruhestand kann sich ein Politiker, sogar ein Christdemokrat, solche Äußerungen eben leisten.
"Die EKD mag eine große Führerin verloren haben, aber sie wird nicht lange stumm bleiben - hoffe ich", schrieb Nick Baines im Guardian. Der 52-Jährige ist anglikanischer Bischof von Croydon bei London und Co-Vorsitzender der "Meissenkommision" von EKD und Kirche von England. Well roared, lion - gut gebrüllt Löwe.
Einen Bericht über Missbrauchsfälle in der römisch-
katholischen Kirche illustrierte die Süddeutsche Zeitung mit einem Foto, das das Kuppelkreuz des evangelischen Berliner Doms zeigt. Ja, das gehört eben auch zur Ökumene, mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. So wie gelegentlich Leute aus der evangelischen Kirche austreten, weil sie sich über den Papst geärgert haben.
Eigentlich sollte man annehmen, dass die Pfarrerin von St. Vigor in Fulburn bei Cambridge nicht verwechselt wird, hört sie doch auf den klangvollen Namen Rhiannon Elizabeth Jones. Doch wer im Pfarrhaus anruft, könnte leicht mit der falschen Frau verbunden werden. Denn Rhiannon Elisabeth Jones heißt auch die Theologiestudentin, die in Fulburn ihr Gemeindepraktikum absolviert. Und mit ihren 40 Jahren ist sie nur wenig jünger als ihre Ausbildungspfarrerin. Aber an Ostern findet das Verwirrspiel ein Ende, wie die Cambridge News berichten. Dann wird die "lockige Rhiannon? wie die Gemeindemitglieder die Praktikantin - im Unterschied zur Pfarrerin mit ihren glatten Haaren - nennen, anderswo ihr Vikariat beginnen. Und St. Vigor wird keine Schlagzeilen mehr machen.
Erschienen in zeitzeichen April 04/2010.

