Notizen
Aus Religion & Gesellschaft
Hessen-Nassau mit neuer Verfassung
Die hessen-nassauische Landeskirche hat sich nach 61 Jahren eine neue Verfassung gegeben. Sie schafft das in der EKD einzigartige kollektive Bischofsamt, das "Leitende Geistliche Amt", ab. Dessen Mitglieder - der Kirchenpräsident, seine Stellvertreterin und sechs Pröpste - werden künftig der auf bis zu 19 Köpfe erweiterten Kirchenleitung angehören. Den Vorschlag den Kirchenpräsidenten in Bischof umzubenennen, zog der Verfassungsausschuss der Synode nach heftiger Kritik zurück.
Unterstützung für westfälischen Präses
Innerhalb von drei Monaten haben 1.000 Leute einen Offenen Brief unterzeichnet, der den leitenden Geistlichen der westfälischen Landeskirche, Alfred Buss (siehe Foto), in seiner Haltung gegenüber Schwulen und Lesben unterstützt. Der Präses war von rund 30 Pfarrern seiner Landeskirche kritisiert worden, weil er beim Bremer Kirchentag ein "Weg vom Nein zum Ja" gegenüber Homosexuellen gefordert hatte.
Die katholische Borromäus-Kirche in Camel-by-the-Sea/Kalifornien.
USA: Mehr Katholiken, Pfingstler und Sektenmitglieder
Die meisten Kirchen der USA haben auch im vergangenen Jahr Mitglieder verloren. Das geht aus dem Jahrbuch des Nationalen Kirchenrates hervor. Die mit den lutherischen Mitgliedskirchen der EKD verbundene Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika ging um 1,6 Prozent auf 4,6 Millionen Mitglieder zurück, die mit Deutschlands Altlutheranern verbundene Lutherische Kirche/Missouri-Synode um 1,9 Prozent auf
2,3 Millionen. Die mit den unierten Mitgliedskirchen der ekd verpartnerte Vereinigte Kirche Christi verlor 2,9 Prozent und hat jetzt 1,1 Millionen Mitglieder, die Zahl der liberalen Anglikaner sank um 2,8 Prozent auf 2,1 Millionen. Den größten Verlust erlitt die calvinistische Presbyterianische Kirche. Ihre Mitgliederzahl ging um 3,3 Prozent auf 2,8 Millionen zurück.
Die größte evangelische Kirche der USA, der konservative Südliche Baptistenverband, verlor nur 0,24 Prozent und hat nun 16,2 Millionen Mitglieder. Die römisch-katholische Kirche wuchs um 1,5 Prozent auf 68,1 Millionen. Dies wird auf die hispanischen Einwanderer zurückgeführt. Zuwächse verzeichnen auch Pfingstkirchen wie die "Kirche Gottes", plus 1,8 Prozent (1,1 Millionen Mitglieder), die "Versammlungen Gottes", plus 1,3 Prozent (2,9 Millionen), und Sekten wie die Zeugen Jehovas, plus 2 Prozent (1,1 Millionen), und die Mormonen plus 1,7 Prozent (knapp sechs Millionen).
Religiöse Verankerung der Wahlberechtigten nimmt ab
In Deutschland nimmt die religiöse Verankerung der Wahlberechtigten ab. Und der Rang christlicher Werte trennt die Anhänger der Parteien weniger als früher. Das hat das Institut für Demoskopie in Allensbach festgestellt. Danach bezeichneten sich Mitte der Achtzigerjahre in Westdeutschland 73 Prozent der Anhänger der Unionsparteien als
religiös. Heute sind es noch 61 Prozent. Bei der SPD ist die Zahl von 47 auf 43 Prozent zurückgegangen. In Gesamtdeutschland stufen sich 57 Prozent der Unions-Anhänger und 40 Prozent der SPD-Anhänger als religiös ein, unter jüngeren Leuten liegt der Anteil für die Union bei 32 und die SPD bei 12 Prozent.
Erschienen in zeitzeichen April 04/2010.

