Geistliches Profil

Dimensionen kirchlichen Leitens
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Ein Buch über Leitung im kirchlichen Kontext: Wer aufgrund eigener Leitungsverantwortung an der Reflexion von Erfahrung mit geistlicher Leitung interessiert ist, wird weniger auf seine Kosten kommen, als diejenigen, denen es um einen fundierten Überblick über Grundanforderungen im leitenden Handeln in der Kirche überhaupt geht.

Je mehr die Kirche sich mit Strukturfragen und Organisationsentwicklung beschäftigt, desto größer wird die Suche nach den besonderen Kennzeichen kirchlichen Leitens. Kirchenleitung, so wird vor allem von Kritikern binnenkirchlicher Reformprozesse gefordert, müsse vor allem an ihrer geistlichen Qualität erkennbar sein. "Geistlich leiten" ist darum auch der Titel eines Buches, in dem Peter Böhlemann, Leiter eines Pastoralkollegs, sowie Michael Herbst, Professor für Praktische Theologie in Greifswald, Grundlagen der geistlichen Leitung darstellen.

Ausgangspunkt ihres 225 Seiten starken Handbuches ist erfreulicherweise nicht eine Verweigerungshaltung gegenüber Reformen, sondern deren Profilierung durch ein geistliches Profil. Dem dient ein von den Autoren entwickeltes Modell, das im leitenden Handeln drei Dimensionen unterscheidet: eine partizipatorisch-diakonische, eine analytisch-theologische sowie eine zielorientiert-charismatische. Unter diesen drei Aspekten wird das weite Feld kirchlicher Leitungsherausforderungen in den Blick genommen wie etwa Kommunikation, Visitationen, Zeit- und Konfliktmanagement und Gemeindeentwicklung.

Geistliches Handeln wird dabei nicht als Überbegriff für eine Aufzählung von Tätigkeiten missverstanden. Vielmehr liegt der Charakteristik leitenden Handelns als geistlich nach Meinung der Autoren eher eine besondere Intention, eine Tiefendimension zugrunde. Handlungsformen des Leitens lassen sich also nicht auseinanderdividieren und dem geistlichen und weltlich-rechtlichen Bereich zuweisen. Auch wenn die Bedeutung des Bezugs auf die Bibel (mit dem zu hinterfragenden zahlreichen Zitieren von aus dem Zusammenhang herausgenommenen Einzelversen), der Hinweis auf die Bedeutung des Gebetes sowie die Anbindung geistlicher Leitung an die Gabe des Geistes betont werden, beschreiben die Autoren eher die Breite der Herausforderungen leitenden Handelns und versuchen, diese mittels der genannten drei Aspekte als "geistliches Leiten" zu beleuchten.

Die Tatsache, dass im Grunde die elementaren Grundformen leitenden Handelns reflektiert werden, kann Erwartungen enttäuschen, die der Titel zu wecken vermag. Es handelt sich nämlich im Wesentlichen um ein Handbuch leitenden Handelns im kirchlichen Kontext - was ja sehr wohl eine Antwort auf die Frage nach der Besonderheit geistlichen Leitens ist. Die abgesetzten Definitionen am Ende zentraler Begriffe und die durchgehaltene farbliche Kennzeichnung der drei Aspekte geistlichen Handelns haben etwas von einem Lehrbuch für Studierende an sich, wobei doch das Thema eines für Menschen ist, die, auf welcher Ebene auch immer, kirchenleitende Verantwortung wahrnehmen und womöglich mit der Über-Didaktisierung, auch der Grafiken, Probleme haben. Wer aufgrund eigener Leitungsverantwortung an der Reflexion von Erfahrung mit geistlicher Leitung interessiert ist, wird weniger auf seine Kosten kommen, als diejenigen, denen es um einen fundierten Überblick über Grundanforderungen im leitenden Handeln in der Kirche überhaupt geht. In Letzterem liegt vor allem der Reiz dieses Buches.

Peter Böhlemann / Michael Herbst: Geistlich leiten. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, 239 Seiten, Euro 24,94.

Traugott Schächtele

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