Kirchen an den Karren

Die Religionen der Welt und der Klimaschutz
Nun sollen also die Gläubigen der Welt den Karren aus dem Dreck ziehen, in den die Politik sich manövriert hat? Im Prinzip ja - und das ist richtig so.

Unter der großen Kuppel von St. Paul in London hat vor wenigen Wochen eine Frau etwas Bemerkenswertes gesagt. Christiana Figueres, die oberste Klimadiplomatin der Vereinten Nationen, rief die Religionen der Welt dazu auf, sich nicht nur für den Klimaschutz einzusetzen, sondern voranzugehen. Zwar seien die Kapitäne aus Wirtschaft und Politik unabdingbar, um die Gesellschaft auf einen klimafreundlicheren Kurs zu bringen. Es seien aber unter anderem die Religionen, die den Mut und das Vertrauen stärken können und so den Boden für politische Entscheidungen befruchten können.

Nun sollen also die Gläubigen der Welt den Karren aus dem Dreck ziehen, in den die Politik sich manövriert hat? Im Prinzip ja, sie sollen zumindest helfen, ihn wieder in Gang zu bekommen. Und das ist richtig so. Denn dass das Thema auf der derzeitigen politischen Agenda kaum eine Rolle spielt, ist nicht zu bestreiten. Im Europawahlkampf tauchte es auf ein paar Plakaten der Grünen auf, ansonsten Fehlanzeige. Dabei haben die Staats- und Regierungschefs der EU ja in diesem Frühjahr eine Steilvorlage geliefert, in dem sie die Frage nach neuen und strengeren Zielen zur Senkung unseres CO2-Ausstoßes erst mal vertagt haben. Dabei steigen die Emissionen weiter an, auch in Deutschland. Dabei zählen von den 14 Jahren des 21. Jahrhunderts zwölf zu den wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Dabei haben die Forscher des Weltklimarats (IPCC) auch in ihrem fünften Bericht klargemacht, dass es nun wirklich an der Zeit ist, zu handeln, weil sonst die Zeit eben nicht mehr da ist. Denn die Durchschnittstemperatur ist bereits um 0,8 Grad gestiegen, ab zwei Grad gelten die Konsequenzen als kaum noch zu kontrollieren.

Nun lässt sich mit Blick auf die Kirchen dieser Welt allerdings auch klar feststellen: Sie tun was. Der Weltkirchenrat begleitet die Klimaverhandlungen seit langem und leistet wichtige Lobbyarbeit. Als dieser Kommentar geschrieben wurde, tagte gerade eine internationale Arbeitsgruppe von kirchlichen Klimaexperten aus aller Welt bei der VEM in Wuppertal um ihr weiteres Vorgehen zu planen. Die kirchlichen Entwicklungshilfeorganisationen sind, weil sie die durch den Klimawandel bereits verursachten Probleme in den Ländern des Südens sehr genau kennen, stark engagiert. Und auch die Landeskirchen und zahlreiche Ortsgemeinden haben sich dem Klimaschutz mit konkreten Maßnahmen verpflichtet. Auf der kommenden EKD-Synode wird das Thema an zentraler Stelle diskutiert werden.

Es ist richtig: Ohne die Politik und die oft zähe Klimadiplomatie wird es nicht gehen - aber niemand muss auf sie warten. Bei der Sanierung oder dem Neubau kirchlicher Gebäude kann Klimaschutz schon sehr konkret werden. Bei der Frage, welchen Stromanbieter eine Gemeinde hat, sowieso, ebenso bei Dienstwagen oder der Frage, welches Fleisch wir auf Gemeindefesten oder Synoden essen. Aber auch die Verpachtung von kirchlichen Äckern fällt unter diese Kategorie, denn die extensive und industrialisierte Landwirtschaft ist wesentlicher Faktor bei der Aufheizung der Welt.

Bei alldem geht es weder um Besserwisserei, Angst machen vor der Apokalypse oder das Spiel mit dem schlechten Gewissen. Es geht darum, einen sehr grundlegenden christlichen Gedanken in die Tat umzusetzen, der auch in anderen Religionen zentral ist: Die Bewahrung der Schöpfung.

Stephan Kosch

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