Die Vielfalt wächst

Familie steht hoch im Kurs. Das gilt gerade für junge Leute, wie die Shell-Jugendstudie von 2019 zeigt.

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Eine Grenze gesetzt

Eine Grenze gesetzt

Warum Auferstehungsglaube Klarheit braucht
Foto: privat

„Gott hat Jesus von den Toten aufer­weckt.“ Das ist die Botschaft von Ostern. Dieses  Bekenntnis begründet die Jerusalemer Urgemeinde und ist die Voraussetzung aller  neutestamentlichen Schriften. Ostern steht nicht nur für den geschichtlichen Anfang des christlichen Glaubens, sondern eben auch in seiner Mitte, denn der Christus, auf den er sich bezieht, ist der Auferstandene. So weit reicht die Einigkeit in Theologie und Kirche.

Wenn es aber darum geht, diese Botschaft zu ver­stehen, gehen die Auskünfte weit auseinander. Ist Jesus wirklich auferstanden und hat sich seinen Jüngern zu erkennen gegeben, oder sind seine Jünger angesichts seines Todes oder die Frauen am Grab von dem Eindruck überwältigt worden, dass der Tod nicht das Ende der Wirksamkeit Jesu, sondern ein zu verkündigendes Heilsereignis sei? Er lebt, weil seine Sache weitergeht. Strittig ist also der Wirklichkeitsstatus der Auferweckung Jesu: Ist sie ein eigenes Ereignis, in dem der begrabene Jesus zu einem ewigen Leben erweckt wird, oder nur ein Interpretament der Erkenntnis der exponierten Bedeutung seines Lebens?

Das ist keine Randfrage. Bei genauerem Hinsehen geht es nicht nur um die Auferstehung Jesu, sondern auch um den Wirklichkeitsrang, den wir Gott einräumen: Kann Gott tatsächlich – wenn auch auf geheimnisvolle Weise – in die Lebensbedingungen dieser Welt eingreifen oder ist er darauf angewiesen, dass wir dies für ihn machen und ihn in diesem Jesus weiterleben lassen? Ist Gott uns tatsächlich ein Gegenüber, ein eigenes uns zugewandtes Subjekt, das den Menschen aus der Gefangenschaft in seiner eingebildeten Allzuständigkeit befreit, oder kommt es, wenn es um Gott geht, auch wieder nur vor allem auf uns an, die wir dem ohnmächtigen Gott unsere Hände leihen? Ist der Mensch eine Herzensangelegenheit Gottes oder Gott eine Herzensangelegenheit des Menschen? Der zweite Teil dieser Frage kann nur dann sinnvoll bejaht werden, wenn zuvor auch dem ersten Teil zugestimmt wird.

Die unser Leben in Atem haltende Letzt­gültigkeit des Todes kann nur dann sinnvoll zur Disposition gestellt werden, wenn es tatsächlich einen überzeugenden Anlass zu der Annahme gibt, dass sie wirksam als bestritten gelten kann. Von unseren  Interpretationskünsten ist nicht mehr als eine gut gemeinte Verharmlosung des Todes zu erwarten. Darin besteht die Trostlosigkeit eben auch mancher Osterpredigt, dass sie nicht mehr zu verkündigen, weiß als dass Jesus in unserem Glauben weiterlebe.

Historisch werden wir dem Handeln Gottes an dem Gekreuzigten nicht auf die Spur kommen können, geht es doch in der Auferstehung gerade darum, dass der gestorbene Jesus aus der Unterwerfung unter die Zeit, mit der die Historie alle Dinge verrechnet, herausgenommen wird. Die Frage nach der Historizität der Auferstehung verfehlt also gerade den besonderen Charakter ihres Ereignisses. Hier steht eine andere Geschichte zur Debatte, in der dem Anspruch des Todes, das letzte Wort über unser Leben zu behalten, eine wirkliche Grenze gesetzt wird, eine Grenze, die wir ihm mit all unseren Interpretamenten nicht setzen können. Gott hat ihm diese Grenze gesetzt, das ist die Botschaft von der Auferweckung Jesu. 

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Leider keine Friedenskraft

Am 21.

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Der entfesselte Riese

Am Anfang stand eine geheime Mission, die Martin Luther nach Wittenberg führte: Nachdem er sein Versteck auf der Wartburg verlassen hatte, tauchte der Reformator am 3.

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Starke Zeichen

Was sehen wir? Läuft der Film nicht viel zu schnell? Wir versuchen noch, das Drehbuch zu verstehen.

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Dorothee Krimmer

Dorothee Krimmer studiert im siebten Semester Evangelische Theologie (Magister Theologiae) an der Georg-August-Universität Göttingen und ist  ehrenamtlich in der Klimabewegung aktiv.

Ralf Becker

Ralf Becker koordiniert im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Baden die Initiative Sicherheit neu denken. Zuvor koordinierte er den gewaltfrei handeln e.V., der seit 1992 in Deutschland Fachkräfte für Friedensarbeit ausbildet.

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Roger Mielke formulierte jüngst zu Recht „wirklichkeitsgesättigte Argumentation“ als zentrale Anforderung an eine evangelische Friedensethik nach dem

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Schleiermacher als Giftpilz?

Schleiermacher als Giftpilz?

Über die monumentale Ironie des Malers Anselm Kiefer
Foto: Privat

Ich wollte mich endlich wieder überwältigen lassen. Oder ‚überweltigen‘. Unbedingt. Einen richtigen Rudolf-Otto-Schocker erleben, ein mysterium tremdendum et fascinans. Als beflügelnder Start ins neue Jahr. Ich hatte schon immer eine mächtige Schwäche für diesen Maler in Grau und Blei. Es gab nur einen kleinen Slot, denn die Ausstellung war auf vier Wochen begrenzt. (Ein Irrsinn für diesen Aufwand.) Weil das Grand Palais einer Kernsanierung unterzogen wird, fand die Ausstellung in einem flugs erstellten Ausweichquartier statt mit dem hübschen Titel Grand Palais Éphémère. Dabei sind die ausgestellten Werke für die Ewigkeit geschaffen, bitteschön.

Coronabedingt, vielleicht auch der Erdenschwere nach dem Jahreswechsel geschuldet, war der Andrang übersichtlich, vom Taxi bis zum ersten Gemälde dauerte es keine fünf Minuten, dann stand man in einer dunklen riesigen Halle vor dem ersten Gemälde. Der Körper entschied sich zunächst sich klein zu machen, eine Selbstentsocklung, die dem imposanten Gegenüber geschuldet war. Monumentale Bildwerke. Gigantisch. Riesig. Olympisch. Kolossal. Immens. Außerordentlich. Mega. Bilder als Pulsmacherei. Wer sich zu schnell näherte, wurde mit Autorität zurückgewiesen. Nur mit Demut und Dankbarkeit konnte man sich diesen Gemälden nähern. Ich fühlte mich wie der kleine Mönch vor dem mächtigen Meer in Caspar David Friedrichs totzitiertem und totreproduziertem Gemälde. Und wer im Digizän noch einmal eine Erfahrung machen möchte, die Walter Benjamin mit dem Begriff Aura im Angesicht von Kunst, die auch leiblich betroffen macht, beschrieben hat, dem eröffnete sich vor diesen Werken eine prächtige Chance. Der vor wenigen Wochen verstorbene Gernot Böhme sah richtig: „So sind Bilder von erheblicher Größe, wie etwa solche des abstrakten Expressionismus oder etwa Picassos Guernica“ – oder Gemälde von Anselm Kiefer – „nicht durch Reproduktionen zu erfassen: Man muss sich ihnen in leiblicher Anwesenheit aussetzen.“ Nur so ist eine atmosphärische Erfahrung möglich. Dazu zählt die Haltung der Andacht, die vorbereitet auf den Genuss, den die Bilder auch gewähren, obwohl sie von der ersten atmosphärischen Anmutung her dieses Versprechen zunächst nicht aussenden. Anselm Kiefer hat die ausgestellten Gemälde Paul Celan gewidmet: Mit Kreide fügte er Gedichtzeilen und ganze Gedichte ein. Eine tiefe Verbeugung vor Celan, der nicht weit von diesem Ort entfernt sich am 20. April 1970 von einer Brücke in die Seine stürzte. Diese Bilder sind keine Illustrationen der Gedichte, sondern reale Inkarnationen, die apokalyptische Atmosphären, Kriegsgeschrei, die Shoa und deutsche Verbrechen aufrufen. Und doch wird in den Bildern des Schweren und Dunklen gegenwendig eine Feier des Unscheinbaren abgehalten, verwundbare Farne (Das Geheimnis der Farne, 2021) etwa haben einen starken, kitschfreien, tröstenden und Hoffnung stiftenden Auftritt.

 

Überhaupt: Man darf den Humor und die Ironie von Anselm Kiefer nicht unterschätzen. Im hinteren Teil der Ausstellungshalle war ein großes, in Stahlgerüsten ordentlich sortiertes Materiallager (Glas, Blei, Blumen, Schiefer, Badewannen, Einkaufswägen, Plastik) zu bestaunen, jedes Fach mit gewitzten, metaphernsatten Beschreibungen versehen. Sichtbaren Humor und viel Ironie verbreitet auch das Bild Madame de Staël: de l’Allemagne, das einzige Bild, das nicht in einem direkten Zusammenhang mit Celan steht. Es spielt an auf das von de Staël 1810 fertiggestellte und 1813 publizierte Buch Über Deutschland, das, kräftig idealisiert, ein Land der Dichter und Denker – dieses Prädikat geht auf Germaine de Staël zurück – porträtiert, das den eigenen Eliten als Vorbild angedient wird. Kiefer, von den Franzosen und namentlich von Präsident Macron gefeiert – das hässliche Wort von Staatskunst machte im Blätterwald die Runde – porträtiert diesen Heldenkanon als Giftpilze, darunter auch Schleiermacher. (Er ist in guter Gesellschaft.) Nur so wird die Idealisierung von Madame de Staël romantisch-ironisch abgepuffert und erinnert zugleich daran, dass das Land der Dichter und Denker ein gutes Jahrhundert später den schrecklichsten Krieg überhaupt anzettelte. Diese Kunst ist auch Mahnung gegen den Krieg, die, wie wir jetzt wissen, nicht überall gehört wurde. Auch von mir nicht. Umso dankbarer bin ich für die gemachte Erfahrung und das Geheimnis des Farns als Lebensfrucht, der sich im ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens mit der Unendlichkeit trifft. Und Schleiermacher als Giftpilz? Eine nicht nur ephemere Provokation, die nachhallt.

Nächster Blog: Eine kleine Feier des Atmens.

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Klaas Huizing

Klaas Huizing ist Professor für Systematische Theologie an der Universität Würzburg und Autor zahlreicher Romane und theologischer Bücher. Zudem ist er beratender Mitarbeiter der zeitzeichen-Redaktion.


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