Schwerpunkt

Der russische Überfall auf die Ukraine und der fortdauernde Krieg verändern die politischen Verhältnisse in Europa und der Welt einschneidend. Und was bedeutet das für die evangelische Friedensethik, wie sie sich seit 1945 entwickelt hat? Ein Schwerpunkt zu Krieg und Frieden aus unterschiedlichen  Perspektiven.

Eucharistie und Einheit

Als biblische Begründung für die Einheit der Kirche werden im ökumenischen Gespräch meist zwei Bibelstellen angeführt: Epheser 4,5 „ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ und das Gebet

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Grüner wird’s nicht

Grüner wird’s nicht

Alle Jahre wieder: hohe Kirchenaustrittszahlen
Foto: Rolf Zöllner

Kennen Sie noch die Dresdner Bank? 1984 warb sie mit dem Jingle „Mit dem grünen Band der Sympathie …“ und knapp zwanzig Jahre später mit Fußball-Legende Günter Netzer, der auf der Rückbank eines Taxi dem etwas langsamen Fahrer zu knurrte: „Grüner wird’s nicht … .“ Diese miss­mutige Prognose scheint auch für die Entwicklung der Kirchenaustritts­zahlen zu gelten: So ging 2020, im ersten Corona-Jahr, die Zahl der evangelischen Kirchenaustritte um 50 000 auf „nur“ 220 000 im Jahr zurück. Die Gründe dafür mögen vielfältig gewesen sein. Ein häufiger Grund aber könnten ganz banal die stark eingeschränkten Öffnungszeiten der Ämter gewesen sein, die man auch heute noch zum Behufe eines Kirchenaustritts auf­suchen muss. Doch die Erholung war von kurzer Dauer, denn im zweiten Corona-Jahr 2021 erreichten die Austritte mit 280 000 den in absoluten Zahlen höchsten Stand seit 1995. Damals hatte es knapp 300 000 Austritte gegeben – allerdings gab es damals auch noch gut 28 Millionen evangelische Kirchenmitglieder. Heute sind es mit 19,75   Millionen insgesamt deutlich weniger. Insofern gab es 2021 die prozentual höchste Kirchenaustrittszahl überhaupt zu verzeichnen.

Wo soll das hinführen? Wird es auch mal wieder weniger? So wie Anfang der 2000er-Jahre, als auf einmal viel weniger Menschen austraten als in den 1990er-Jahren. So gab es im Jahr 2005 zum Beispiel nur 119 500 Austritte, und damals gehörten noch 25,4 Millionen Protestanten in Deutschland der Kirche an. Das entsprach einer Austrittsquote von weniger als einem halben Prozent!

Für 2021 sind es schon fast eineinhalb Prozent pro Jahr. Schriebe man diese Quote fort, würde es in der Tat 2060 soweit sein, dass sich die Mitgliedschaft der beiden großen Kirchen in Deutschland gegenüber 2020 halbiert hätte wie es vor drei Jahren die „Freiburger Studie“ voraussagte. Diese Studie löste 2019 eine gewisse Über­raschung und kirchen­leitenden Reformüber­legungen aus.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit aber wird das Abschmelzen der Kirchenmitglieder in den kommenden Jahren sogar deutlich schneller gehen. Warum? Die Kirchenaustritte könnten eine galoppierende Entwicklung nehmen, schließlich wurden in der jüngeren Vergangenheit und werden auch weiterhin  immer weniger Kinder evangelisch getauft. Und letztlich ist die Zahl der Getauften, die dann mutmaßlich auch die eigenen Kinder taufen lassen, viel wichtiger als die Zahl der Austritte.

Die EKD-Spitze reagierte jüngst recht gelassen auf die unerfreulichen Zahlen. Das ist gut, denn aktivistisches Flügelschlagen wird den Megatrend des Traditions- und Religions­abbruches in unseren Breiten nicht stoppen können. Anders gesagt: Grüner wird’s wohl nicht mit der Entwicklung der
Kirchenaustritte in Deutschland.

P.S.: Die Dresdner Bank gibt es nicht mehr. Sie fusionierte 2009 mit der Commerzbank. Die evangelische Kirche hingegen wird hoffentlich Kirche für das ganze Volk bleiben, egal, wie klein sie auch werden wird. Denn letztlich ist sie keine quantitative, sondern eine qualitative Größe. Und was das angeht, ist sie immer­-grün. 

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Weitere Beiträge zu "Kirche"

Der Kredit der Distanzierten

Soll man das, was am Anfang stand, als eine Disruption bezeichnen?

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Fragen zum Frieden (I)

Fragen zum Frieden (I)

Antworten von Wolfgang Huber
Foto: epd

Wir haben prominenten Protestanten drei Fragen gestellt: War es richtig , dass Deutschland sich doch dazu entschieden hat, Waffen an die Ukraine zu liefern? Was ist davon zu halten, dass die Bundesregierung 100 Milliarden Euro zusätzlich für die Bundeswehr bereitstellt? Brauchen wir eine neue evangelische Friedensethik? Hier vorab aus dem Mai-"zeitzeichen" die Antworten des früheren EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber.

Zu Frage 1: „Du sollst nicht töten.“ Friedensethisch schließt dieses Gebot nicht nur den eigenen Verzicht auf Tötungshandlungen ein. Zum Gefälle dieses Gebots gehört vielmehr die Bereitschaft, das gewaltsame Töten durch Dritte zu verhindern. Die evangelische Friedensethik hat sich deshalb nicht nur das in der Charta der Vereinten Nationen verankerte allgemeine Gewaltverbot zu eigen gemacht, sondern auch die Regeln des humanitären Kriegsvölkerrechts anerkannt. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine verstößt gegen beide völkerrechtlichen Vorgaben. Eine Unterstützung der Ukraine ist in dieser Situation angemessen, ja geboten. Der Maßstab dieser Unterstützung ist die Bändigung der Gewalt durch das Recht. Eine wichtige Zielsetzung muss darin bestehen, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden und eine Lösung des Konflikts herbeizuführen, bei der die Selbstständigkeit und Integrität der Ukraine gewahrt wird. Der Ukraine steht ohne Zweifel ein Selbstverteidigungsrecht zu. Sie in der Wahrnehmung dieses Rechts auch durch die Lieferung von Defensivwaffen zu unterstützen, ist nach Lage der Dinge angemessen. Das politische Handeln Deutschlands sollte erkennbar dadurch geprägt sein, dass nicht nur das eigene Sicherheitsinteresse, sondern auch das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine gegen den Angriffskrieg Russlands ernst genommen wird.

Zu Frage 2: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ Gemeinsam mit vielen Kirchen hat die Evangelische Kirche in Deutschland sich diesen bei der ersten Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Amsterdam 1948 formulierten Grundsatz zu eigen gemacht. Große Teile der evangelischen Kirche in Deutschland haben deshalb der Wiederbewaffnung in West wie Ost Bedenken entgegengestellt. Doch sie mussten zugleich einsehen, dass man nicht einem kollektiven Militärbündnis angehören, sich aber zugleich verabredeten Verpflichtungen dauerhaft entziehen kann. Immer wieder muss man Initiativen ergreifen, die auf eine kollektive Abrüstung ausgerichtet sind. Man muss alternative Wege der Kriegsverhütung und der Friedenssicherung entwickeln. Solche Bemühungen können jedoch nicht an die Stelle von Selbstverpflichtungen treten, zu denen man sich im Rahmen eines kollektiven Verteidigungsbündnisses bekannt hat. Wichtiger als die Schaffung eines Sondervermögens in Milliardenhöhe erscheint allerdings die Pflicht, das Beschaffungswesen in der Bundeswehr so zu verändern, dass das Notwendige rechtzeitig zur Stelle ist.

Zu Frage 3: Es gibt ein verbreitetes Bild der evangelischen Friedensethik, demzufolge diese durch einen prinzipiellen Pazifismus geprägt ist. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch die Selbstbindung Deutschlands, sich so wenig wie möglich in gewaltsame Konflikte einzumischen. Das Nein zu Waffenlieferungen in Konfliktgebiete galt als Antwort auf die Schuld, die Deutschland in den Kriegen der Vergangenheit auf sich geladen hatte. Die Bemühungen um zivilen Friedensdienstwaren und bleiben eine wichtige Reaktion auf diese geschichtlichen Erfahrungen. Doch die evangelische Friedensethik hatte immer – während der Zeit der deutschen Teilung in Ost und West unterschiedlich akzentuiert – und hat auch heute eine komplementäre Struktur. Denn beides ist notwendig: das Eintreten für den Frieden mit den Mitteln des Rechts und notfalls mit rechtserhaltender Gewalt, aber ebenso die Arbeit für eine Welt, in der das gewaltfreie Zusammenleben Schritt für Schritt vorankommt. 

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Foto: epd

Wolfgang Huber

Dr. Dr. Wolfgang Huber ist ehemaliger EKD-Ratsvorsitzender, Bischof i. R. und Herausgeber von "Zeitzeichen." Er lebt in Berlin.


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Weitere Beiträge zu "Kirche"

Beten, Bundeswehr und die Armen

Beten, Bundeswehr und die Armen

Warum unser Land mit seinen Werten verteidigt werden muss und die Armen nicht aus dem Blick verlieren darf
Foto: Harald Oppitz

Was passiert, wenn „die Russen“ auf dem Kurfürstendamm stehen? Landesbischof Kramer, der Friedensbeauftragte der EKD, will sich dann den Panzern mit einem auf Russisch geschriebenen Plakat entgegenstellen. Ich hoffe ernstlich nicht, dass das geschehen wird. Weder will ich, dass sich Landesbischof Kramer in Lebensgefahr begibt, noch möchte ich, dass unser Land besetzt wird. Weder von russischen Militärs noch von sonst jemandem. Ich lebe sehr gerne in einem Land, in dem Meinungsfreiheit herrscht und niemand wegen Geschlecht, Religion, sexueller Orientierung oder Hautfarbe benachteiligt werden darf. Und diese Werte hätte ich gerne verteidigt, nach innen und nach außen. Am liebsten mit diplomatischen Mitteln, so dass alle Seiten ihre unterschiedlichen Interessen friedlich verhandeln und ihr Gesicht wahren können.

Für den Fall, dass das bedauerlicherweise nicht funktioniert, wäre ich jedoch dankbar, wenn Deutschland nicht nur in der Lage wäre, Panzer nach Saudi-Arabien zu liefern. Im Ernstfall möchte ich, dass die Bundeswehr so ausgestattet ist, dass sie das tun kann, wofür sie da ist: Unser Land und seine Demokratie zu schützen. Wenn es nicht anders geht und darauf ankommt, auch mit Waffengewalt.

Christen sind mit ihrer Friedensethik im Kriegsfall immer in einem Dilemma. Das gilt übrigens auch für christliche Soldatinnen und Soldaten. Unser Glaube verpflichtet uns auf Nächsten- und sogar Feindesliebe. Zugleich können wir doch nicht tatenlos zusehen, wie machtbesessene Verbrecher Menschenrechte mit Füßen treten. Ich finde, die Theologie und die Haltung Dietrich Bonhoeffers hat gerade eine bestechende Aktualität und schenkt ethische Orientierung.

Diese Orientierung fehlt meiner Ansicht nach denjenigen, die gerade hamstern was das Zeug hält. Ich konnte in der letzten Zeit einige Menschen beobachten, die mit schwindelerregend beladenen Einkaufswagen voller Mehl, Zucker und Nudeln die Supermärkte verließen. Aber wer weiß, vielleicht waren die Leute ja auf dem Weg zu einer Tafel, um Mehl, Zucker und Nudeln zu spenden. Denn die Tafeln sind gerade vollbeschäftigt und überlastet, auch weil offenbar nicht wirklich klar ist, wer eigentlich für die Versorgung der Armen in unserer Gesellschaft und für die der Flüchtlinge zuständig ist. Das hat übrigens auch viel mit Frieden zu tun - mit einem gesellschaftlichen Frieden nämlich.

Sanktionen und die Ärmsten

Ich finde es sehr wichtig, dass die Folgen der Sanktionen nicht die Ärmsten treffen. Diejenigen, die kein Geld haben, um Lebensmittel zu hamstern. Diejenigen, die nicht wissen, wie sie ihre Strom- und Gasrechnung bezahlen sollen. Die Oligarchen dieser Welt werden gewiss gut durch die Krise kommen. Obwohl es natürlich unangenehm ist, wenn man nicht mehr auf der eigenen Jacht entspannen kann, weil die gerade in einem italienischen Hafen an der Kette liegt. Schon verständlich, dass russische Influencerinnen als quasi prophetische Prostest-Zeichenhandlung öffentlich ihre Chanel-Handtäschchen zerschneiden.

Ich bete jeden Tag für den Frieden. Ich meine, wir sollten das als Christenmenschen mit der gleichen Leidenschaft tun, mit der manche Leute Mehltüten und Zucker hamstern. Ich glaube daran, dass diese Gebete mehr für den Frieden austragen als gehamsterte Lebensmittel. Wir brauchen Frieden, Recht und Gerechtigkeit. In der Ukraine, in der Welt. Ich weiß auch, dass in einem Krieg alle verlieren. Trotzdem: Ich hoffe, dass im Ernstfall jemand für mich zur Waffe greift. Und ich bin sehr dankbar, dass es Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr gibt, die dazu bereit sind.

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Foto: Harald Oppitz

Angela Rinn

Angela Rinn ist Pfarrerin und seit 2019 Professorin für Seelsorge am Theologischen Seminar der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Herborn. Sie gehört der Synode der EKD an.


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Weitere Beiträge zu "Gesellschaft"

#DiePassion – irritierend anders

Für RTL war das Projekt ein voller Erfolg.

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Meine Auferstehung

Ich freue mich auf meinen 1234. Geburtstag.

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Der Fetisch der 50 Prozent

Der Fetisch der 50 Prozent

Karsamstagsgedanken zur Entwicklung der Kirchen in Deutschland
Foto: privat

Haben Sie die neueste Zeitenwende bemerkt? In dieser Woche berichteten Nachrichtenagenturen und zahlreiche Medien, dass erstmals „seit Jahrhunderten“ der Anteil der Kirchenmitglieder an der deutschen Bevölkerung unter 50 Prozent gesunken sei. Vielleicht sind auch Sie mit mir gemeinsam über die exakte Kirchenmitgliedschaftserhebung, sagen wir, seit der Reformationszeit überrascht, aber bleiben Sie dran:

Carsten Frerk, Sozialwissenschaftler der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid), einem Projekt der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung, hält fest: „Es ist eine historische Zäsur, da es im Ganzen gesehen, seit Jahrhunderten das erste Mal in Deutschland nicht mehr ›normal‹ ist, Kirchenmitglied zu sein.“ Doch trösten wir uns, denn die Agenturmeldung ergänzt: „Da es außerhalb der großen Kirchen noch ein paar Millionen weitere Christen gibt, zum Beispiel Freikirchler und Christlich-Orthodoxe, liegt die Quote der Christen hierzulande nach wie vor bei mehr als 50 Prozent.“

Ja, was denn nun? Ich lehne mich weit aus dem Fenster und sage: Es ist egal. Die 50-Prozent-Marke ist jedenfalls in keinem Fall so bedeutsam, wie sie von den Medien und von ohnehin beunruhigten christlichen Religionsbediensteten empfunden wird. Wohl gibt sie gute Schlagzeilen her, die die immer wiederkehrenden Kirchenmitgliedschaftszahlen-Artikel gut gebrauchen können.

Seit Jahr und Tag veröffentlichen die beiden großen Kirchen ziemlich exakte Mitgliedschaftszahlen. In diesem Jahr sind die EKD und einige Landeskirchen damit sehr früh dran gewesen. Was man damit gewinnen wollte, bleibt unklar. Im Juni werden zum gewohnten Termin die römisch-katholischen Bistümer nachziehen, die wohl zum dritten Mal in Folge mehr Austritte als die evangelischen Kirchen vermelden werden. Das ist eine Folge der tiefen Vertrauenskrise im Anschluss an den Skandal des sexuellen Missbrauchs und die versemmelte Aufarbeitung desselben. Auch die evangelischen Kirchen sind von diesem Sog zum Teil betroffen. Da auch bei ihnen, was die Aufklärung und Aufarbeitung von Missbrauchsverbrechen in den eigenen Reihen angeht, viel im Argen liegt, geht das schon in Ordnung. Überhaupt: Den größten Anteil am Schrumpfen der beiden großen Kirchen macht sowieso der unvermeidliche demographische Wandel aus. Oder positiv geframed: Die Abberufung der starken Kirchenjahrgänge in die himmlische Ruhe.

Verfall nicht nur miterlebt, sondern bezeugt

Zu diesen festen Terminen, die seit jeher dem Gejammer über sinkende Mitgliedschaftszahlen gewidmet sind, treten die großen Feste des Kirchenjahres, zu denen – wenn überhaupt noch über „die“ Kirche berichtet wird – des bedauerlichen Zustandes des christlichen Kultus gedacht oder eben ganz generell der Schwund religiöser Bindung und damit Orientierung betrauert wird. Im Wesentlichen ist dies alles eine bürgerliche Kasualie, die der Selbstversicherung darüber dient, den Verfall der abendländischen Kultur nicht nur miterlebt, sondern auch bezeugt zu haben.

Die Deutungen und Besserungsvorschläge unserer Tage unterscheiden sich nicht von denen, die bereits seit Jahrzehnten vorgetragen werden. Überhaupt darf man sich, religionssoziologisch einwandfrei, mal fragen, was denn seit dem Jahr 2000 wirklich so anders geworden sein soll? Das sind immerhin auch schon 22 Jahre, also keine kurze Zeit. Ja, die Missbrauchskrise halt! Okay, aber anders als es auch jetzt geschwind von Expert:innen verlautbart wird, treten Menschen aus den Kirchen eher weniger aus Empörung über fernes Leid aus, sondern a) wenn sie jünger sind, weil ihnen „die“ Kirche nichts (mehr) gibt oder b) wenn sie älter sind, weil sie konkrete, persönliche Enttäuschungen und schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Es gehört wenig Fantasie dazu, sich vorzustellen, dass darunter zwar nicht der Allgemeinzustand der evangelischen Predigt oder die Frage des Alten Ritus in der katholischen Kirche zählen, sehr wohl aber das Erleben eines konkreten Priesters oder einer konkreten Pfarrerin im persönlichen Nahkontakt zum Beispiel im Falle des Ablebens einer Verwandten oder auch eine lieblose Kasualgestaltung bei Taufen oder Trauungen. Und ja, die Kirchen verlieren auch Mitglieder, weil sie ihnen zu verschlossen und rückständig (katholisch) oder zu offen und „linksgrünversifft“ (evangelisch) sind. Diese Zusammenhänge sind unter den Schlagwörtern Individualisierung und Pluralisierung in den vergangenen Jahrzehnten – evangelisch gesprochen – durchdekliniert worden.

Nun also weniger als die Hälfte! So ist das halt, würde ich meinen. Man wird sich daran gewöhnen, den Hinweis darauf als Argument in Debatten nun häufiger zu hören zu bekommen. Was ist zum Beispiel mit dem Tanzverbot an Karfreitag? Ist das Verbot nicht einfach nur überholt und unzeitgemäß, sondern einer Gesellschaft, die sich mehrheitlich keiner Kirche mehr zugehörig fühlt, nicht mehr zuzumuten? Wie viel „Christentum“ in der Öffentlichkeit und in den Institutionen unseres weltanschaulich neutralen Staates ist zumutbar, wenn doch die Hälfte (bald: „mehr als die Hälfte“) der Leute keine Kirchensteuer mehr zahlt?

Anliegen inhaltlich begründen

Meine Antwort ist: Gerade so viel wie auch vor Erreichen der „historischen Zäsur“. Wenn das beste Argument für das Tanzverbot an Karfreitag (nur als Beispiel) wirklich das Mehrheitsargument war, dann weg damit! Die Kirche muss inhaltlich begründen, was ihre Anliegen sind. So war das schon länger, auch wenn ich zugebe, dass es natürlich in den Kirchen auch Leute gibt, die sich auf der Mehrheit bisher ganz gut ausgeruht haben. Die Minderheitensituation trägt den Kirchen die inhaltliche Fokussierung auf.

Dazu gehört die für die aufgeblähten Kirchenapparate unbequeme Erkenntnis, dass Menschen bei der Kirche nach Frömmigkeit, nach Glauben suchen. Und, wenn sie den dort nicht finden, zurecht die Frage nach dem Sinn des ganzen Unterfangens stellen. Alle Hinweise auf die Bedeutung der Kirchen für „den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, das großartige diakonische Engagement und den Fortbestand von Werten und Traditionen werden dadurch nicht entwertet, aber ins richtige Licht gerückt.

„Kirche, puh, muss man da gläubig sein?“ Diese Frage habe ich hier bei mir im Osten schon hundertfach gehört. Übrigens sehr häufig von den jungen Menschen, die aus Westdeutschland hierher zum Studium kommen, also Fleisch vom Fleische der bürgerlichen Kirchen sind. Die Antwort darauf darf kein bundesrepublikanischer Sermon über dies oder das sein, dem man vor allem die Scham über die eigene religiöse Tradition abschmeckt. Ja, in der Kirche wird geglaubt, oder es ist keine Kirche mehr.

In der Beschränkung, so verkünden es die Kirchen seit jeher während der vorösterlichen Fastenzeit, liegt Freiheit. Freiheit, sich von manchen Ansprüchen frei zu machen, die man sich in selbstverliebter Allzuständigkeit aufgehalst hat. Kirche muss nicht allen gefallen! Sie muss nicht von allen verstanden, von allen wertgeschätzt, von allen respektiert werden, auf alles eine Antwort haben, damit ich in ihr Trost erfahre und Halt im Glauben finde. Sie darf sogar gerne im Konzert der unterschiedlichen Religionen als Schwester unter Schwestern eine ganz eigene Stimme erheben, die auch mal hübsch unverständlich und unverstanden verhallt. Die Kirche ist nicht die Heilanstalt des Landes, sie verkündet das Heil. Ich bleibe gerne Mitglied einer Kirche, die ihrer eigenen Verkündigung traut.

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Marathonläufer des Friedens

Seine Stimme wird vermisst. Und dabei hatte er doch immer etwas zu sagen wenn er gefragt wurde – und ungefragt.

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