Eine Grenze gesetzt

Warum Auferstehungsglaube Klarheit braucht
Foto: privat

„Gott hat Jesus von den Toten aufer­weckt.“ Das ist die Botschaft von Ostern. Dieses  Bekenntnis begründet die Jerusalemer Urgemeinde und ist die Voraussetzung aller  neutestamentlichen Schriften. Ostern steht nicht nur für den geschichtlichen Anfang des christlichen Glaubens, sondern eben auch in seiner Mitte, denn der Christus, auf den er sich bezieht, ist der Auferstandene. So weit reicht die Einigkeit in Theologie und Kirche.

Wenn es aber darum geht, diese Botschaft zu ver­stehen, gehen die Auskünfte weit auseinander. Ist Jesus wirklich auferstanden und hat sich seinen Jüngern zu erkennen gegeben, oder sind seine Jünger angesichts seines Todes oder die Frauen am Grab von dem Eindruck überwältigt worden, dass der Tod nicht das Ende der Wirksamkeit Jesu, sondern ein zu verkündigendes Heilsereignis sei? Er lebt, weil seine Sache weitergeht. Strittig ist also der Wirklichkeitsstatus der Auferweckung Jesu: Ist sie ein eigenes Ereignis, in dem der begrabene Jesus zu einem ewigen Leben erweckt wird, oder nur ein Interpretament der Erkenntnis der exponierten Bedeutung seines Lebens?

Das ist keine Randfrage. Bei genauerem Hinsehen geht es nicht nur um die Auferstehung Jesu, sondern auch um den Wirklichkeitsrang, den wir Gott einräumen: Kann Gott tatsächlich – wenn auch auf geheimnisvolle Weise – in die Lebensbedingungen dieser Welt eingreifen oder ist er darauf angewiesen, dass wir dies für ihn machen und ihn in diesem Jesus weiterleben lassen? Ist Gott uns tatsächlich ein Gegenüber, ein eigenes uns zugewandtes Subjekt, das den Menschen aus der Gefangenschaft in seiner eingebildeten Allzuständigkeit befreit, oder kommt es, wenn es um Gott geht, auch wieder nur vor allem auf uns an, die wir dem ohnmächtigen Gott unsere Hände leihen? Ist der Mensch eine Herzensangelegenheit Gottes oder Gott eine Herzensangelegenheit des Menschen? Der zweite Teil dieser Frage kann nur dann sinnvoll bejaht werden, wenn zuvor auch dem ersten Teil zugestimmt wird.

Die unser Leben in Atem haltende Letzt­gültigkeit des Todes kann nur dann sinnvoll zur Disposition gestellt werden, wenn es tatsächlich einen überzeugenden Anlass zu der Annahme gibt, dass sie wirksam als bestritten gelten kann. Von unseren  Interpretationskünsten ist nicht mehr als eine gut gemeinte Verharmlosung des Todes zu erwarten. Darin besteht die Trostlosigkeit eben auch mancher Osterpredigt, dass sie nicht mehr zu verkündigen, weiß als dass Jesus in unserem Glauben weiterlebe.

Historisch werden wir dem Handeln Gottes an dem Gekreuzigten nicht auf die Spur kommen können, geht es doch in der Auferstehung gerade darum, dass der gestorbene Jesus aus der Unterwerfung unter die Zeit, mit der die Historie alle Dinge verrechnet, herausgenommen wird. Die Frage nach der Historizität der Auferstehung verfehlt also gerade den besonderen Charakter ihres Ereignisses. Hier steht eine andere Geschichte zur Debatte, in der dem Anspruch des Todes, das letzte Wort über unser Leben zu behalten, eine wirkliche Grenze gesetzt wird, eine Grenze, die wir ihm mit all unseren Interpretamenten nicht setzen können. Gott hat ihm diese Grenze gesetzt, das ist die Botschaft von der Auferweckung Jesu. 

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