Vielfalt als Gewinn für alle

Gespräch mit der Wuppertaler Neutestamentlerin Claudia Janssen über feministische Theologie, das Erreichte und die Zukunft einer geschlechtergerechten Theologie
Dekonstruktion des Göttlichen. Roland Peter Litzenburger: König der Juden (1973) aus dem Zyklus Christus der Narr.
Foto: Viktoria Litzenburger-Schreijäck
Dekonstruktion des Göttlichen. Roland Peter Litzenburger: König der Juden (1973) aus dem Zyklus Christus der Narr.

zeitzeichen: Frau Professorin Janssen, feministische Theologie zu treiben, sei eine sehr persönliche und politische Aktivität, so formulieren viele Theologinnen ihre Definition von feministischer Theologie. Wie lautet Ihre?

CLAUDIA JANSSEN:  Für mich ist feministische Theologie keine Sondertheologie, sondern der zentrale Zugang zur Theologie. Da schlägt mein Herz. Und dafür, dass die Theologie in gesellschaftlichen Fragen wieder sprachfähig wird, dass Menschen, die diese Theologie betreiben lernen, in den gesellschaftlichen Transformationsprozessen theologisch sprachfähig werden. Damit sie aktiv an diesen Fragen teilnehmen können und sie aus theologischer Perspektive betrachten, sich selbstkritisch fragen, was gesellschaftliche Entwicklungen für die Theologie bedeuten. Gesellschaftlich, politisch, theologisch, das gehört für mich zusammen und macht den Kern feministischer Theologie aus.

Ganz persönlich gefragt, wie kamen Sie zur feministischen Theologie?

CLAUDIA JANSSEN:  Wir hatten in meiner Heimat eine politische Gemeindearbeit mit Ostermärschen und Friedensarbeit. Und unser Pastor gab mir als Jugendliche ein Buch von Dorothee Sölle und Fulbert Steffensky. Deren Bücher habe ich verschlungen. Bei meinem ersten Kirchentag 1983 in Hannover, ich war 16 Jahre alt, standen die gesellschaftlichen Fragen zur Abrüstung und zum Nato-Doppelbeschluss im Mittelpunkt. Die Bibelarbeiten von Luise Schottroff und Dorothee Sölle bildeten den Impuls, in die Theologie zu gehen. Gesellschaftlich sprachfähig und politisch engagiert zu sein, eine große Frömmigkeit zu haben, das zeichnete Dorothee Sölle und auch Luise Schottroff aus. Diese Verbindung hat mich von Anfang an angesprochen, und sie trägt mich noch immer durch die Theologie.

Diese Kirchentagsauftritte in den 1980er-Jahren waren sehr bewegend. Wie und wann ist die feministische Theologie überhaupt entstanden?

CLAUDIA JANSSEN:  Vor etwa fünfzig Jahren. Wichtige Impulse kamen aus den USA, die Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel hat diese Texte übersetzt. Und verwurzelt sind sie in der gesellschaftlichen Frauenbewegung der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre. Es ging nie darum, eine Sondertheologie für Frauen zu gründen, sondern um einen Paradigmenwechsel, also Theologie zu verändern, um gesellschaftliche Prozesse mitprägen und transformieren zu können, immer mit der Frage nach Geschlechtergerechtigkeit. Ich habe feministische Theologie von Anfang an als eine Gerechtigkeitsbewegung verstanden. Gerechtigkeit nicht nur für Frauen, sondern im Verhältnis von Frauen und Männern, auch mit dem weiten Blick auf Rassismusfragen und Ökologie. Wichtige Debatten aus den 1980er-, 1990er-Jahren haben die feministische Theologie vorangebracht, wie zum Beispiel die Frage nach dem christlichen Antijudaismus. Dass diese Fragen heute in der Theologie so breit diskutiert werden, ist auch ein Verdienst der feministischen Theologie.

Worin unterscheiden sich denn die Entwürfe der feministischen Theologie der vergangenen Jahrzehnte zu denen von heute? Oder würden Sie sagen, das ist eher eine Weiterentwicklung?

CLAUDIA JANSSEN:  Ich betrachte es als eine Weiterentwicklung in Kontinuität. Ob wir es mit einem Gegeneinander zwischen feministischen Theorien und Genderstudies zu tun haben, wird ja in den Fächern diskutiert. In der Soziologie oder in den Gesellschaftswissenschaften sehe ich dabei viel größere Konflikte. Wenn ich den Blick auf die feministische Diskussion in der Gegenwart richte, nehme ich eine große Kontinuität zur feministischen Theologie der 1980er- und 1990er-Jahren wahr, eben mit einer ganz selbstverständlichen Aufnahme von Gender Studies. Da herrscht ein kritisch konstruktiver Dialog. Wenn ich formuliere, was feministische Theologie heute ist, hieße das ein Zugang zu diesem multidisziplinären Feld der Geschlechterforschung. Der Blick auf gesellschaftliche Positionen mit dem politischen Engagement für den Feminismus.

Braucht es überhaupt heute noch eine spezifisch feministische Theologie? Wenn man eigentlich die Verbesserung und Befreiung aller Menschen im Blick hat?

CLAUDIA JANSSEN:  In einer guten Welt bräuchte es sie nicht. Doch zum Beispiel die MeToo-Debatte zeigt, dass diese Fragen nicht überholt sind. Verbal mögen wir schon viel weiter sein, aber die Machtstrukturen haben sich wenig   verändert, vor allem nicht weltweit. Es macht die feministische Theologie aus, dass sie nie nur diesen kleinen fixierten Blick auf unsere westliche gut situierte Welt hat, sondern einen weltweiten.

Was hat Ihrer Meinung nach die feministische Theologie bisher erreicht?

CLAUDIA JANSSEN:  Sie hat wichtige Debatten angestoßen. Wissenschaftstheoretisch ist sie eine kontextuelle  Theologie. Diese Vielfalt der Zugänge in gesellschaftliche Fragen einzu­betten, hat die Theologie verändert. Die evangelischen Kirchen haben erkannt, dass in der Ausbildung ihrer Pfarrer und Pfarrerinnen Genderkompetenz  grundlegend für das Pfarramt ist. Das ist in den Prüfungs­ordnungen verankert, mein Lehrstuhl hier in Wuppertal heißt  "Neues Testament und Theologische Geschlechter­forschung“, und Anfang des Jahres haben wir ein Institut für  feministische Theologie, Theologische Geschlechterforschung und Soziale Vielfalt eröffnet. Verpflichtende Lehrveran­staltungen im Grundstudium und Haupt­studium gehören ins Curriculum. An der Kirchlichen Hochschule Augustana in Neuen­dettelsau wurde gerade die Professur für feministische Theologie und Genderstudies wiederbesetzt.

Was ist Ihrer Meinung nach für die Institutionalisierung des Faches sinnvoller? Es mit einer klassisch theologischen Disziplin zu verknüpfen wie in Wuppertal oder einen eigenen Lehrstuhl zu haben wie in Neuendettelsau?

CLAUDIA JANSSEN:  Die Diskussionen sind schon alt. Die Vision ist, Geschlechterfragen als Querschnitt­dimension des Denkens, Handelns und theologischen Forschens vor allem auch in der Sprache umzusetzen. Das sollte auch institutionell verankert werden. Doch mittlerweile sind ja tatsächlich nur die beiden kirchlichen Hochschulen mit ihren Lehrstühlen noch übriggeblieben. In den Kürzungen fällt dieses Thema als Erstes weg. Ich biete eine Einführung in die Theologische Geschlechterforschung an und ver­mittele darin Grundbegriffe in feministischer Theologie, kritischer Männlichkeitsforschung und Queer-Theorie. Wir „übersetzen“ die Theorien aus den Gesellschaftswissenschaften in die Theologie. Ziel des Sommersemesters ist, ein Genderzertifikat einzuführen. Das erfordert die Teilnahme an einer Vorlesung, zwei oder drei weiteren Lehrveranstaltungen und einem Praxisprojekt. Es ist wichtig, dass sich Theologische Geschlechterforschung als eigenes Fach aufstellt, weil der Theorienrahmen so groß geworden ist, denn Genderfragen sind wissenschaftlich zu einem forschungsleitenden Paradigma geworden. Aber um das wirklich auch studieren zu können, brauchen die Studierenden ein ähnliches Wissen wie zum Beispiel bei exegetischen Methoden. Sie müssen neue Vokabeln lernen wie Essentialismus, Dekonstruktivismus oder Intersektionalität. Und sie müssen diese Begriffe auch theoretisch reflektieren, bevor sie sie in ihr theologisches Denken integrieren können. Von daher wäre es gut, einen eigenen Lehrstuhl zu haben. Die Kombination mit dem Neuen Testament ermöglicht es allerdings, exemplarisch zu zeigen, welchen Gewinn, welche Vielfalt sich eröffnet, wenn Geschlechter­fragen zentral als Querschnitts­dimension eines Faches verstanden werden.

Sie haben die feministische Theologie als handlungsorientiert und auch aktivistisch bezeichnet. Praktisch eine aktive Gestaltung von sozialpolitischer Realität. Ist das der Grund für den oft geäußerten Vorwurf, sie sei wissenschaftlich-theologisch nicht anschlussfähig?

CLAUDIA JANSSEN:  Wenn sich das auf dieser Ebene erschöpfen würde, ja. Aber das ist der Ausgangspunkt und das Grundprinzip von kontextuellen Theologien. Gesellschaftliche Prozesse auch theologisch zu bearbeiten, gesprächsfähig zu werden, um wieder in die gesellschaftlichen Debatten einwirken zu können, dieser Prozess ist ein wichtiger, und er rüttelt natürlich an Selbstverständlichkeiten, an professoraler Behäbigkeit. Wenn man sich den Ton aus der Zeit anschaut, als Dorothee Sölle einen unbezahlten Lehrauftrag in Mainz bekommen sollte – unglaublich, mit welch unverhohlener Frauenfeindlichkeit da agiert wurde. Es wurde mit Gemeinheiten und Verwaltungstricks gekämpft, und der feministischen Theologie wurde vorgeworfen, sie sei emotional und polemisch. In den 1990er-Jahren wurden die Kämpfe noch offen ausgetragen, jetzt sind sie subtiler. Zum Beispiel über Drittmittelanträge und über Veröffentlichungen. Die Auseinandersetzungen sind immer noch da, und Ankommen im wissenschaftlichen Diskurs heißt auch, in die Zitierkartelle vorzudringen, die Herausgabe von Publikationen zu schaffen, Gutachterinnen zu stellen.

Es gibt also immer noch Vorbehalte gegen die feministische Theologie?

CLAUDIA JANSSEN:  Was aussteht, ist tatsächlich, dass Geschlechterfragen als eine Querschnittsfrage oder -dimension für jegliches theologisches oder gesellschaftliches Handeln verstanden werden. Deshalb ist gerade meine Professur so wichtig, sie integriert diese Fragen. Ich bin Neutestamentlerin, und die Genderfrage ist ein zentrales Thema in den biblischen Texten und eben nicht nur als neuer hermeneutischer Zugang von heute hereingetragen. Doch die Abwehr ist groß, zwar wird der Ansatz nicht mehr als häretisch erklärt oder abgewertet, aber er ist auch nicht ein integraler Bestandteil der theologischen Forschung. Jedenfalls nicht im deutschsprachigen Bereich. In  skandinavischen Ländern oder in Teilen der US-amerikanischen Theologie ist es selbstverständlicher.

Wo liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede, auf Deutschland bezogen, zu Ihren katholischen Kolleginnen und Kollegen?

CLAUDIA JANSSEN:  Ich schaue in erster Linie aus der Perspektive der Exegese, da gibt es unter den Forschenden kaum einen Unterschied. Relevant wird die Konfession im Blick auf das Amtsverständnis. Wenn ich hundert Jahre auf die Entwicklung in der protestantischen Theologie zurückblicke, stelle ich fest, dass die Frauenordination Kirche und Theologie grundsätzlich verändert. Auch was die Anthropologie angeht. Es gibt eine große Solidarität mit den katholischen Kämpfer:innen, wie Maria 2.0. Es zieht sich wie ein Kaugummi, wenn man die biblischen Argumente immer und immer wiederholen muss. Dass Frauen Jüngerinnen und in Leitungsfunktionen waren, dass es Apostelinnen gab. Und deswegen berührt es die Theologie als ganze, welchen Stellwert die Exegese hat.

Wenn man die Verbesserunge aller Menschen im Blick hat, muss feministische Theologie der Gegenwart nicht auch dekonstruktivistisch sein? Ausgehend von Galater 3,28: „ ... hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“

CLAUDIA JANSSEN:  Ja. Und wenn ich die neueren Diskurse sehe, wer in den Genderstudies veröffentlicht und selbstverständlich dekons­truktivistische Theorien voraussetzt, dann sind das oft dieselben Autor:innen, die auch zu feministischen Fragen geschrieben haben. Diese Kontinuität ist sehr stark. Man denke an das Werk doing gender, doing religion, herausgegeben von Ute Eisen, Angela Standhartinger und Christine Gerber. Vielleicht ist das eine Besonderheit der feministischen Theologie, dass diese Aufnahme aktueller Theorien sich auch auf die Weiterentwicklung der feministischen Forschung sehr stark auswirkt. Die britische Journalistin Laurie Penny formuliert das so: Ich verstehe mich als queer, aber politisch argumentiere ich feministisch. Solange es also diese Ungleichbehandlung von Frauen gibt, ist es wichtig, Statistiken aufzustellen, um zeigen zu können, wie viele Frauen im Pfarramt sind und wie viele Männer. Da muss ich politisch argumentieren können, nur so funktioniert auch der Equal Pay Day.

Das ist für viele Menschen neu. Reaktionäre Kritiker behaupten, Geschlechtergerechtigkeit und Gendertheorien gefährdeten die göttliche Ordnung. Wie geht man mit dieser unveränderten Frontstellung um?

CLAUDIA JANSSEN:  Die Anti-Gender-Argumentation geht ganz oft Hand in Hand mit rückwärtsgewandten Vorstellungen von Familie, Gesellschaft, vor allem von Männlichkeit. Diese Kritik ist wenig rational, sondern emotional und weist auf eine Krise der Männlichkeit heutzutage hin. Das heißt: Junge Männer müssen darin bestärkt werden, sich auf Veränderungen einzulassen und die Vielfalt der Rollenmodelle als Bereicherung wahrzunehmen. Oft wird nicht argumentiert, sondern aus dem Bauch heraus eine Rückwärts-Utopie erstellt. Es soll alles so werden, wie es noch nie war. Diese Menschen haben keine Visionen einer im Wandel begriffenen Gesellschaft oder positive Bilder der Zukunft, sondern richten sich gegen alles, was nicht weiß, nicht männlich, nicht heteronormativ ist. Ein Austausch mit Sachargumenten funktioniert leider höchst selten.

In den vergangenen Monaten spitzte sich, auch in Bundestagsdebatten, die Frage immer weiter zu, ob Transfrauen als Frauen gelten oder nicht. Wie ist Ihre Meinung dazu?

CLAUDIA JANSSEN:  Ich habe unter den Studierenden mehrere trans*Personen, und ich versuche, sie auch theologisch zu stärken, indem wir über Körper, Geschlecht und Dekonstruktion arbeiten. Für mich ist das theologisch relevant, weil Schöpfung vielfältig ist und weil es göttliche Schöpfung ist. Diese Vielfalt ist dort angelegt. Ich frage mich immer, warum wir besser wissen wollen als Gott, was Schöpfung bedeutet. Ich halte das für eine Hybris. In der ersten Schöpfungserzählung heißt es „Und Gott schuf sie männlich und weiblich.“ Es gibt schon in der Antike Vorstellungen, die davon ausgehen, dass das erste Wesen androgyn ist. In der zweiten Schöpfungserzählung wird „Adam“, das ursprüngliche Menschenwesen, dann in zwei Teile geteilt. Von einer „Rippe“ ist im Hebräischen nicht die Rede, das hier verwendete Wort heißt „Seite“. Nach der Trennung heißt die eine Seite immer noch Adam und die andere Eva, das hat in der Wirkungsgeschichte zu vielen Missverständnissen geführt. Es gibt jüdische Auslegungen, die es so lesen, dass die ursprüngliche Beschaffenheit männlich und weiblich ist.

Dieses Denken hat ja eine entfernte Verwandtschaft zu platonischen Gedanken …

CLAUDIA JANSSEN:  Ja, das binäre Denken haben wir erst seit der Auf­klärung. Der amerikanische Kultur- und Wissenschaftshistoriker Thomas Laqueur, der zum kulturellen Umgang mit Sexualität forschte, sagt, dass die Menschen in der antiken Medizin eher von einer Eingeschlechtlichkeit ausgehen. Diesem Modell zufolge werden weibliche und männliche Geschlechtsorgane nicht als grundsätzlich verschieden gedacht, vielmehr wurde angenommen, dass sie in Analogie zueinander stehen – so sei zum Beispiel die Vagina ein nach innen gestülpter Penis. Die Geschlechterordnung, das, was wir heute Gender nennen, musste also kulturell festgeschrieben werden. Männlichkeit wurde deshalb so verteidigt, weil Geschlecht als veränderbar galt und angreifbar war. Binäres Denken ist ein junges Denken, ebenso wie die Vorstellung eines autonomen Individuums. Auch das ist ein Konstrukt der Aufklärung. Mit den modernen Geschlechtertheorien sind wir in mancherlei Hinsicht nah an antiken Diskursen.

Es ist im Koalitionsvertrag der Bundes­regierung vorgesehen, dass die Selbstauskunft in Zukunft reichen soll, um sich eine neue Geschlechtsidentität zu geben. Wie beurteilen Sie diesen Vorstoß?

CLAUDIA JANSSEN:  Das ist eine vielschichtige Frage. Ich erlebe, wie erniedrigend diese Verfahren sind, die Menschen durchlaufen. In der aktuellen Situation sehe ich, dass niemand freiwillig oder beliebig das Geschlecht wechselt. Trans*Personen sind gezwungen, sich intensiv mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen, mit der Frage, was Männlichkeit oder Weiblichkeit bedeutet. Wie es ist, in dieser Spannung, zwischen äußerem Körpergeschlecht und dem inneren Wissen um das eigentliche andere Geschlecht zu leben, kann ich mir kaum ausmalen. Ich bewundere diese Menschen, die sich offen in den Prozess der Transition begeben. Und es gibt viele, die sich gar nicht fest­legen wollen. Auch diese Möglich­keit muss bestehen bleiben. Der not­wendige Prozess der Weiterentwicklung wird jetzt angestoßen durch die Politik. Deswegen finde ich es richtig, es rechtlich festzulegen und gleich­zeitig gesellschaftlich mit Diskussions­prozessen zu begleiten. Bis eine Selbstverständlichkeit entsteht, dass Geschlecht nicht binär festgelegt ist, was in den Humanwissenschaften schon lange bekannt ist. Dass gerade so mutige Menschen, die nach außen treten, Denkprozesse und Veränderungsprozesse anschieben, finde ich wichtig, und es gilt, sie rechtlich zu fördern und theologisch zu begleiten.

Wenn Sie eine Vision für die Zukunft einer geschlechterbewussten Theologie formulieren sollten, wie sieht diese aus?

CLAUDIA JANSSEN:  Dass sie Theologie als ganze verändert, mit einer Akzeptanz für Vielfalt und Verschiedenheit. Und dass sie ein Bewusstsein dafür weckt, dass es ein Gewinn ist, in Vielfalt und Offenheit füreinander zu leben, und ja, dass sie dafür sorgt, dass Theologie insgesamt wieder gesellschaftlich relevant und glaubwürdig, eine Gesprächspartnerin mit anderen gesellschaftlichen Größen wird.

 

Das Gespräch führten Kathrin Jütte und Reinhard Mawick am 22. Februar 2022 per Videokonferenz.

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Foto: Sandra Schildwächter

Claudia Janssen

Dr. Claudia Janssen ist seit 2016 Professorin für Neues Testament und Theologische Geschlechterforschung an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel. Zuvor hat die 55-Jährige unter anderem als Studienleiterin im Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie und als theologische Referentin der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland gearbeitet.  Seit 2011 lehrte sie als apl. Professorin an der Universität Marburg.

Foto: privat

Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.


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