Kasus geht vor

Das heute Abend in Deutschland kaum geknallt wird, findet meine Zustimmung. Nichts ist überflüssiger als dieses unreflektierte Rumballern am Altjahrsabend.

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Am 20.

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Jan Peter Grevel

Jan Peter Grevel ist Privatdozent für Praktische Theologie an der Goethe-Universität Frankfurt und gegenwärtig im Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart tätig. Grevels Habilitationsschrift „Mit Gott im Grünen. Eine Praktische Theologie der Naturerfahrung“ ist bei Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen erschienen.

Selbsterhöhung

Selbsterhöhung

Eine kleine Eloge auf den Pumps
Foto: Privat

Ein Lächeln im Leerlauf. Ausgenüchterte Augen. Das Buffet an Möglichkeiten schlägt kurz auf den Magen. Sofern man über hundert Schuh-Paare im Schrank aufbewahrt. Dann die Entscheidung, welcher Pumps zu diesem Tag passt. Es gibt Pumps, Stiefeletten und Stiefel mit Pumps-Absatz für jedes Wetter. (Auch für Schuh-Verrückte ist die Nachhaltigkeitsdebatte ein Segen: Streusalz war Gift für jeden Pumps!) Ist heute der Tag für Peeptoes (mein erklärter Favorit) oder für Opentoes, oder vielleicht doch einen Slingpumps oder einen Stöckelschuh mit Pfennigabsatz? Nach der Entscheidung fährt das Lächeln hoch, die Benutzeroberfläche der Augen ist online, das Rückgrat kerzengerade. Carpe Diem. Der Tag kann kommen.

 

Ich beginne meine Eloge auf den Pumps mit Martin Heidegger und dem Hammer. Heidegger, der mit Vorliebe derbe Wanderschuhe trug, scheint nicht der ideale Kandidat in dieser Angelegenheit zu sein, aber seine Geliebte Hannah Arendt trug gerne Pumps. Das Thema war ihm also nicht fremd. Heideggers Alltags-Phänomenologie ist spezialisiert auf Unauffälligkeit: Sein Neologismus Zuhandenheit meint: ein Hammer darf beim Einsatz nicht auffällig werden, es ist geradezu ein Kriterium für die Qualität des Hammers. Zehn Stunden hämmern ohne Schwielen. Präzise darin besteht die prächtige Kunst eines Schuhmachers, wenn er Pumps modelliert: Sie sollen auch nach zehn Stunden Einsatz nicht drücken, bitteschön, nicht an den Zehen, nicht am Riemchen oder der Ferse. Und auch der Rist soll nicht schmerzen. Um den Neologismus von Heidegger zu variieren: sie müssen durch Zufußheit ausgezeichnet sein und trotzdem nach außen Pracht ausstrahlen.

Und natürlich gibt es Tipps und Geheimtipps: Manolo Blahnik (durch die Serie Sex and the City berühmt geworden) oder Christian Louboutin, Jimmy Choo, Alexandre Birman, Sophia Webster. Mein Favorit ist Stuart Weitzmann. Die Dichte männlicher Designer ist vielleicht noch der Herkunftsgeschichte zu verdanken, denn ursprünglich waren Pumps Arbeitsschuhe für Hoflakaien im 17./18. Jahrhundert, wurden dann ein Lehngeschäft der Frauen. Nur der Opernpumps mit kleinem Absatz hat beim Mann überlebt.

Selbstredend habe ich ein Interview mit einer Orthopädin zum Thema geführt, das Gespräch war trotz einer geschmeidigen Freundlichkeit sehr abturnend, weil sehr viel vom Hallux valgus die Rede war, sogar von einer bedenklichen Verkürzung von Sehnen, ich sah bereits den Rollator vor mir, an dem alle Pumps-Verrückte mit Birkenstock an den Füßen frühverrentet enden.

Woher rührt meine Liebe zum Pumps? Meine Selbsterkundung hat folgendes ergeben. Erstens: Frühkindliche Prägung. Mein Mutter trug jeden Sonntag zum Kirchgang Pumps mit mittelgroßem Absatz, obwohl mein Vater beinahe einen Kopf kleiner war als sie. Er nahm es mit viel Humor und trug, stolz auf seine Frau, am Sonntag einen höheren Hut als an den Wochentagen. Zweitens: Emanzipation von der religiösen Prägung. Der Pumps ist der Anti-Calvinismus-Schuh schlechthin. Er ist nicht demütig, sondern selbsterhebend. Herrlich selbstbewusst. Erotisch. Oft spitz. Ein Hingucker schlechthin. Ein Gourmand-Schuh. Und ich will das unnachahmliche Geräusch des Stöckelns nicht missen. Diese Feier des Lebens, die im Parterre des Körpers beginnt. Wenn Konsum, dann dieser. Hohe Luft.