Nötiger Respekt

Spiritualität am Lebensende
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Die Pfarrerin und Altenheimseelsorgerin Edith Öxler hat einen hilfreichen Zugang zum Umgang mit dem Thema Tod vorgelegt.

Zum Leben gehören Lebensanfang und Lebensende. Letzteres wird in der menschlichen Wahrnehmung oft ausgeblendet. Zum Sterben und zum Tod, zu Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen hat Edith Öxler, Pfarrerin und Altenheimseelsorgerin in München, mit Spiritualität am Ende des Lebens nun einen hilfreichen Zugang zu dieser alle betreffenden Tatsache vorgelegt. Am Anfang steht eine Begriffsklärung: „Spiritualität ist eine (Such)-Bewegung in einem Menschen: Er kann in diesem Prozess auf eine transzendente Wirklichkeit vertrauen, muss (es) aber nicht“, schreibt Öxler. Spirituelle Begleitung schließe den Respekt vor dem jeweiligen Menschen und dessen Suchbewegung ein: angesichts einer niederschmetternden Diagnose, einer Überwältigung durch unterschiedliche Gefühle, auch eines Rückblicks auf das bisherige Leben. Am Lebensende schließlich bekomme die fast vergangene Lebenszeit durch Rituale noch einmal eine Struktur, gerade auch für die Angehörigen. Der Verstorbene könne durch einen Segen einer anderen Kraft übergeben werden.

Und dazwischen, zwischen Diagnose und Sterben? „Spirituelle Begleitung fängt mit mir selbst an“, mit der Akzeptanz der eigenen unterschiedlichen Ressourcen, um in Resonanz mit anderen treten zu können, wie es - für beide Seiten - angemessen ist.

Öxler orientiert sich an folgenden Leitfragen: Woran kann man erkennen, dass ein Mensch Kontakt will? Wie kann man diesem ohne Worte, aber mit Würde begegnen? Wie kann man in Stille einander begegnen? Wie kann man ein Sich-Aussprechen erleichtern? Zu noch einmal einer anderen Herausforderung komme es bei einem Menschen mit Demenz: ihm mit Aufrichtigkeit zu begegnen. Hier sind es wiederum oft die Angehörigen, die Ratschläge und Hilfestellungen brauchen.

Hospizbegleiter und -begleiterinnen schließlich bringen häufig ein eigenes Interesse an religiösen Themen und Fragestellungen mit - und treffen nicht selten auf Menschen, die unsicher geworden sind: ihres persönlichen Weges und Zieles und ihrer Sprache. Durch offenes und unbefangenes Fragen könne sich die Spiritualität der Gehenden herauskristallisieren. Musik, auch Lieder, Geschichten und Symbole übten dabei eine heilende Wirkung aus.

In Anlehnung an Eberhard Weiher nennt Öxler drei sich überschneidende Bereiche spiritueller Begleitung: rituelle Begleitung, Bedeutung erschließende Begleitung und mitmenschliche Begleitung, die gemeinsam helfen können, das Geheimnis der betreffenden Person zu erschließen. Öxler grenzt sich allerdings Weiher gegenüber ab, indem es ihrer Ansicht nach nicht zu einer Aufgabenteilung kommen dürfe: praktisch begleiteten oft auch Pflegekräfte Menschen „in ihren tiefsten existentiellen Nöten“.

Was könne nicht alles bei der pflegerischen Zuwendung während der täglichen Reinigungsprozedur zur Sprache kommen? Das entbinde allerdings nicht Pfarrerinnen und Pfarrer und andere kirchliche Mitarbeiter von ihrer Verantwortung zur spirituellen Begleitung im Alten- und Pflegeheim gegenüber alt gewordenen Frauen und Männern und manchmal auch vom Leben gezeichneten Jüngeren.

So werden in Zeiten zunehmender spiritueller Verunsicherung, gar „spiritueller Unbehaustheit“ professionell Seelsorgende und darüber hinaus andere Interessierte einen Gewinn aus „Spiritualität am Ende des Lebens“ ziehen können.

Burkhard Pechmann

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