Der Himmel

Paul Celan liest Paul Celan

Seine Dichtung ist gebundene Energie, Weltliteratur voller Musikalität, die das Äußerste an menschlicher Erfahrung ins Wort setzt. Für die ganz besondere Art, seine Gedichte vorzutragen, war Paul Celan berühmt. Zwischen seiner viel diskutierten Lesung 1952 vor der Gruppe 47 bis zu seinem Tod als gefeierter Lyriker liegen knapp zwei Jahrzehnte, in denen Celan seine Gedichte in zahlreichen Lesungen vortrug und seinen Stil nach und nach veränderte. In dieser neuen, mit etlichen bisher unveröffentlichten Aufnahmen angereicherten Zusammenstellung des Hörverlages sind diese Originalaufnahmen erstmals gesammelt zu hören; mit einem ausführlichen Begleittext zu den Hintergründen zu Celans Leben, Werk und den Lesungen von Hans-Ulrich Wagner angereichert.

Wer kennt sie nicht, die Todesfuge, fraglos eine Zäsur im Schaffen Paul Celans, die in keiner Gedichts-Anthologie des 20. Jahrhunderts fehlt und bei jedem Blättern ein Innehalten, eine beklemmende Stille erzeugt. Entsprechend groß ist die Neugierde, den Text im Tonfall seines Schöpfers zu hören. Zurück bleibt eine neue Stille – und eine schwebende Verstörung. Der da spricht, spricht im Tonfall seiner, einer fernen, fremden Zeit: hymnisch, pathetisch, affektreich mit den Worten und Versen spielend – eigenwillig, wie im Moment neu deutend, in einem Singsang, der manches Mal an die Grenze des Erträglichen geht, weil die heutige Ästhetik der Rezitation und Interpretation eine ganz andere Ausrichtung und eine natürlichere Diktion, nicht der öffentlichen Pose hat. So bleibt zunächst nur Ernüchterung und die Feststellung, wie theatral Paul Celan seine Texte selbst gedacht hat. Beim zweiten Hören aber öffnen sich die Texte neu – das ist die Stärke ihrer selbst und ihres Autors.

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