Bischof für europäische Synode

Lutheraner und Altkatholiken ermöglichen eine echte ökumenische Trauung
Ökumenischer Gottesdienst in der katholischen Bischofskirche von Magdeburg. Foto: epd/ Viktoria Kuehne
Ökumenischer Gottesdienst in der katholischen Bischofskirche von Magdeburg. Foto: epd/ Viktoria Kuehne
Bevor am 6. November in Magdeburg die EKD-Synode begann, hatten am selben Ort drei Tage lang die Synoden der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Union Evangelischer Kirchen (UEK) getagt. Dabei spielte auch ihr Verhältnis untereinander und zur EKD eine Rolle.

Miteinander verschränkt sind die violette Lutherrose und die zwölf goldenen Sterne der Europaflagge an der Wand des Saales, in dem die VELKD-Synode tagt. Unter der Losung „Europa in Solidarität - Evangelisch-lutherische Impulse“ diskutieren die drei europäischen Vizepräsidenten des Lutherischen Weltbundes, Helga Haugland Byfuglien, Vorsitzende der Norwegischen Bischofskonferenz, der ungarische Bischof Tamás Fabiny und sein württembergischer Kollege Frank Otfried July.

Fabiny skizziert die jüngste Geschichte seines Landes: „Das Rote Meer haben wir durchquert, aber das Land Kanaan nicht gefunden.“ Und er warnt vor einer „Nationalisierung der Religion und einer Sakralisierung der Nation“. Mit ihrem Einsatz für Flüchtlinge und der Kritik an der Regierung Orbán unterscheiden sich Ungarns Lutheraner von ihren reformierten Mitprotestanten. So widerlegen sie ein Klischee, dass selbst unter Theologen verbreitet ist: Lutheraner sind obrigkeitstreu, Reformierte dagegen widerständig, weil ihre Geschichte von Verfolgung und Flucht geprägt ist.

Bischof July fordert, die evangelischen Kirchen sollten ihre „Instrumente in Brüssel besser spielen“. Und die Schaffung einer „europäischen Synode“ hält er für „nicht abwegig“. Sie hatte schon der rheinische Präses Peter Beier gefordert, der 1996 starb, und vor zehn Jahren Herwig Sturm, der damalige Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche Österreichs.

Auch in Magdeburg mussten sich die Mitglieder der „Generalsynode“ der VELKD und der „Vollkonferenz“ der UEK, die automatisch der EKD-Synode angehören, wieder mit dem „Verbindungsmodell“ befassen. Es regelt seit elf Jahren die Beziehungen zwischen VELKD, UEK und EKD. Bei der Einführung des Modells hatte der damalige Leitende Bischof der VELKD Johannes Friedrich betont, es gehe um die „Kooperation selbstständiger kirchlicher Zusammenschlüsse“. Um sie zu ermöglichen, wurde im Kirchenamt der EKD ein Amt der VELKD und der UEK geschaffen, und deren Leiter wurden zu Vizepräsidenten des EKD-Kirchenamtes berufen. Aber weil die drei Ämter unter einem Dach nicht harmoniert haben, wird nun ein gemeinsames Kirchenamt gebildet, das „zugleich Dienstleister“ für EKD, VELKD und UEK ist. Das haben die Mitglieder der Vollkonferenz der UEK einstimmig in einer offenen Abstimmung beschlossen, während es bei der geheimen Abstimmung in der VELKD-Synode 37 Ja-, sieben Gegenstimmen und drei Enthaltungen gab. „Wenn sich das Amt der VELKD in ein gemeinsames Amt der EKD auflöst, verlieren wir inhaltliche Konturen und gewinnen Bürokratie“, hatte der Braunschweiger Synodale Harald Welge gewarnt.

Dass die Angst, das eigene konfessionelle Profil zu verlieren, in der VELKD stärker verbreitet ist als in der UEK, hat historische Gründe. Auf Anordnung der Monarchen oder auf Druck der Gemeinden wurden ab 1817 einige evangelisch-lutherische Kirchen mit evangelisch-reformierten zu „evangelisch-christlichen“ Landeskirchen vereinigt. Ihr Dachverband ist die UEK. In den kommenden Jahren werden sie an ihre Gründung vor zweihundert Jahren erinnern. Die Kirchenunion, die 1817 in Preußen angestoßen wurde, feiert die UEK am 24. September mit einem Gottesdienst im Berliner Dom.

In der Aussprache, die die Vollkonferenz der UEK zu den Unionsjubiläen führte, lobte der Ludwigshafener Chemiker Hartmann Leube, die Vereinigung der evangelischen Konfessionen habe „die schädlichen Auswirkungen der Kirchenspaltung aufgehoben“. Der kurhessische Bischof Martin Hein beklagte dagegen, mit der Union habe man „eine dritte Konfession“ neben der lutherischen und der reformierten geschaffen. Dass Kirchenunionen nicht nur typische Produkte des 19. Jahrhunderts sind, wie manche Lutheraner meinen, zeigte sich beim Abendessen für die Gäste aus der weltweiten Ökumene. Der Pariser Theologieprofessor Frédéric Chavel berichtete aus der Vereinigten Protestantischen Kirche Frankreichs, zu der sich Lutheraner und Reformierte vor drei Jahren zusammengeschlossen haben.

Gespräche beim Frühstück

In Magdeburg wurde wieder der Beitrag deutlich, den die VELKD für die Ökumene mit den Katholiken leistet. Weil die meisten lutherischen Kirchen Bischöfe haben und den Gottesdienst als Messe feiern, stehen sie den Katholiken näher, als die Reformierten. Und das gilt auch für die Katholiken, deren Vorfahren wegen ihrer Ablehnung des Unfehlbarkeitsdogmas nach 1870 aus der römischen Kirche hinausgedrängt wurden und die Alt-Katholische Kirche bildeten. Die VELKD-Synode stimmte in Magdeburg einer Trauliturgie für altkatholisch-lutherische Paare zu. Sie ermöglicht damit eine echte ökumenische Trauung. Denn was bislang als „ökumenische Trauung“ bezeichnet wird, ist entweder eine römisch-katholische Trauung, an der ein evangelischer Pfarrer beteiligt ist, sprich: predigt, oder umgekehrt.

Vor einiger Zeit hat die Synode der Alt-Katholischen Kirche Deutschlands einer Vereinbarung mit der VELKD zugestimmt, die die gegenseitige Anerkennung von Konfirmation, Firmung und Patenamt mit sich bringt (siehe zz 11/16). Und der nächste Schritt könnte eine Verständigung über das Pfarr- und Bischofs-amt sein.

Wenn Medien über Synoden berichten, geht meist unter, dass Zufallsbegegnungen und -gespräche am Rande mindestens so wichtig sind wie die Themen, die im Plenum diskutiert werden. Da trifft beim Frühstück eine westfälische Superintendentin auf einen badischen Diakon im Ruhestand und den schwäbischen Redakteur einer evangelischen Zeitschrift. Die Westfälin erzählt von ihrer Kindheit in Schweden, der Nordbadener von der Zeit, als er in London den deutschen CVJM leitete, und der Südwürttemberger von seinem Studium in Edinburgh. Und so wird das Synodenthema „Europa“ anschaulich.

Jürgen Wandel

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