Verfolgungsjagd durch die Bibel

Am 1. November startet der Kinderkanal seine Zeichentrickserie "Chi Rho"
Die Zeitreisemaschine C.T. hathat Cora und die Wondererszu Josef und seinem Vater gebracht. (Bild: ki.ka/Cross Media/Beta/Trickcompany 2010)
Die Zeitreisemaschine C.T. hathat Cora und die Wondererszu Josef und seinem Vater gebracht. (Bild: ki.ka/Cross Media/Beta/Trickcompany 2010)
Mit der Zeitmaschine in die Welt der Bibel: Diese Idee steckt hinter einer ­Zeichentrickserie, die am 1. November auf dem Kinderkanal ki.ka anläuft.

Zeitreisen sind bei Filmemachern und Kindern, so scheint es, ein gleichermaßen beliebtes Thema. Da gerät ein chaotischer Professor durch ein Raum-Zeit-Loch in die Steinzeit (die US-Komödie Die fast vergessene Zeit aus dem Jahr 2009), da gelangt ein kleiner Junge mit einer Zeitmaschine mitten in den Kinderkreuzzug im 13. Jahrhundert (Kreuzzug mit Jeans aus dem Jahr 2007). Und fast schon ein Klassiker ist der britische Fantasyfilm Time Bandits aus dem Jahr 1981, in dem ein Elfjähriger bei seiner Zeitreise auf Napoleon, Agamemnon und Robin Hood trifft.

Jetzt hat auch der Kinderkanal ki.ka eine neue Zeitreisen-Serie gestartet, bei der es in die Welt des biblischen Palästina geht. Chi Rho - Das Geheimnis heißt die nach dem Christusmonogramm benannte Zeichentrickserie, die am 1. November anläuft.

Dem Bösen das Handwerk legen

Zum Inhalt: Hreel, der personifizierte Handlanger des Bösen, hat den bekannten Bibelforscher und Restaurator Professor Peterson gekidnappt und in die Welt der Bibel verschleppt. Hreels Auftrag ist es, mithilfe des Professors das Christentum und - so schreiben die Macher im Begleittext - die abendländische Kultur auszulöschen. Allerdings hat er nicht mit der pfiffigen Tochter des Professors, Cora Petersen, gerechnet, die sich mit einem magischen Zeitreisewürfel an seine Fersen heftet und so die Verfolgung aufnimmt. Coras Mission ist es, sowohl ihren Vater zu finden als auch dem Bösen das Handwerk zu legen.

So gesehen steht bei der insgesamt auf 26 Folgen angelegten Trickfilm-Serie nichts weniger als das gesamte christliche Erbe auf dem Spiel. Es liegt in Coras Hand, die christlichen Traditionen in ih­rer Ursprünglichkeit zu retten. Ein ziemlich hartes Los, das die Autoren der Zwölfjährigen wohl nicht alleine zumuten wollten. Deshalb wurden kurzerhand zahlreiche Nebenfiguren erfunden. Hinzukommt eine Band quasselnder Tiere, genannt "die Wonderers", bestehend aus einem Klippdachs, einer Eule, einer Springmaus und einem Chamäleon, und ein dreizehnjähriger Junge, der in Nazareth in der gleichen Straße wie Jesus gewohnt haben soll. Nicht zu vergessen ist auch die leicht vergessliche Zeitmaschine, Cubus Temporis oder kurz: CT, die sich immer wieder zur Tarnung in einen Eulerich verwandelt.

Mit Hilfe dieses Zeitreisewürfels geht es nun kreuz und quer durchs Alte und Neue Testament: Mal muss Cora im ersten Jahrhundert nach Christus den zwölfjährigen Jesus im Tempel in Jerusalem vor dem Gefängnis retten, dann wieder treibt sie in weit vorchristlicher Zeit zusammen mit Noah die Tieren in die Arche. Sie begegnet dem Hirtenjungen David und ist mit Jona im Bauch des Wals gefangen. Aber auch mit Adam und Eva, Maria und Josef und dem barmherzigen Samariter macht das Mädchen Bekanntschaft. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Krokodilen, die am Nil von den Zeichentrickhelden aus dem Weg geschafft werden müssen.

Gute Unterhaltung

Alles in allem hebt sich die Serie positiv von dem ab, was teilweise sonst an Kinderserien im öffentlich-rechtlichen oder privaten Fernsehen über den Bildschirm flackert. Weniger schrill und schnell, dafür mit pointenreichen Dialogen und gut herausgearbeiteten Comic-Charakteren: Hreel etwa ist eine fies dreinblickende Gestalt in schwarzem Gewand mit Dreitagebart. Ihm steht die clevere, gewitzte Cora gegenüber, ein flinkes Mädchen, das mitunter hellsichtiger als ihr Widersacher ist. Und der Professor ist ein smarter Herr mittleren Alters, der trotz seiner misslichen Lage vom Forscherdrang getrieben ist ("zu dumm, dass ich keinen Fotoapparat da­bei habe").

Die Zeichentrickserie ist - im besten Sinne des Wortes - gute Unterhaltung, die vor allem durch Situationskomik punktet: Etwa als der Pharao in der Mose-Episode dem bösen Hreel eine Sänfte samt Träger zur Verfügung stellt. Freut sich Hreel zunächst noch diebisch über dieses Transportmittel "für den gehobenen Dienst", hat er nicht mit dem tumben Gehorsam seiner Bediensteten gerechnet: Bald schon liegt das Transportmittel zerbrochen auf dem Boden, und aller Weigerung zum Trotz muss sich Hreel nun auf den Armen durch die Wüste schleppen lassen. Befehl ist Befehl und mit der Macht des Bösen ist es also nicht weit her.

Fünf Jahre lang haben Autoren, Zeichner, Redakteure sowie theologische Berater und Produzenten an der Fernsehserie gearbeitet. 7,5 Millionen Euro kostete das Projekt, an dem sich evangelische und katholische Kirche zu 20 Prozent beteiligt haben. Mit den Bibel-Episoden, so sehen es die beiden Produzenten Martin Choroba und Ernst Ludwig Ganzert, sollen junge Menschen und ihre Eltern mit der Bibel vertraut gemacht werden. Die Trickfilmserie biete die "Möglichkeit, auf eine spielerische Weise etwas über unsere religiöse und kulturelle Herkunft, unsere Wurzeln und damit unsere Identität zu erfahren". Darüber hinaus soll es um Wertevermittlung gehen: "Um die christlichen Grundwerte menschlichen Lebens wie Würde, Respekt, Toleranz, Achtung vor dem Leben und dem Glauben."

Fiktion und biblische Sequenzen schwer auseinanderzuhalten

Bei der Bibelserie wurde zudem auf theologische Correctness geachtet: So hat der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche alle zitierten Bibelstellen und ihre zeichnerische Umsetzung überprüft. Nitsche, der vor seinen Theologiestudium mehrere Jahre als Regisseur gearbeitet hatte und später eine Habilitation im Alten Testament abschloss, bürgt mit seinem Namen dafür, dass die eigentlichen Bibel-Episoden "unangetastet und unverfälscht" geblieben sind. Bild für Bild hat er die in der Serie aufgenommen historischen und archäologischen Begebenheiten mit den aktuellen Erkenntnissen der Bibelwissenschaft abgeglichen.

Eine ehrenwerte und sinnvolle Aufgabe, die allerdings nicht über die eigentliche Schwierigkeit der Serie hinwegtäuschen sollte: Denn angesichts unzähliger Nebenschauplätze sind Fik­tion und biblisch-theologisch geprüfte Sequenzen für den Zuschauer mitunter schwer auseinanderzuhalten. Zwar sind zahlreiche Hilfestellungen zur Orientierung eingebaut: Etwa wenn Cora und Habib, der jüdische Junge, laut darüber nachdenken, in welcher Bibelgeschichte sie sich befinden oder die Zeitreisemaschine CT philosophiert: "Natürlich weiß ich, welche Geschichte das ist. Ägypten, der Nil, Schilfrohr, Binsengewächse - sie heißt 'das Baby im Binsenkörbchen'". Spätestens aber als Hreel in dieser Episode befiehlt, die Wehre des Nils zu öffnen und der kleine Mose im Binsenkörbchen von der Flut gebeutelt wird, wird es den jüngeren Zuschauern schwerfallen, hier eine richtige Einordnung zu treffen.

Ganz abenteuerlich wird es schließlich, als sich Moses Vater Amram, von den Soldaten des Pharaos inhaftiert und eingekerkert, auf wundersame Weise aus seinen Handfesseln befreien und am Ende der Episode wieder mit seiner Familie vereint sein kann.

Eines macht die Zeichentrickserie deutlich: Die vielen Hinweise auf die ursprüngliche Bibelgeschichte zu deuten und somit Fiktion und biblische Überlieferung auseinanderzuhalten, vermag nur, wer die Bibelgeschichten auch kennt.

Dessen sind sich auch die Macher der Serie bewusst und haben ein breit angelegtes Begleitprogramm, sowohl im Fernsehen als auch im Internet, geschaffen. So beschäftigt sich der ki.ka mit einer dreiteiligen Dokumentation unter dem Titel Schnitzeljagd im Heiligen Land mit den drei monotheistischen Weltreligionen und der Frage "Wo ist Gott?". Auch im Internet sollen Kinder "spielerisch auch mit den Originalgeschichten aus der Bibel in Berührung" kommen. Hier erläutert Professor Petersen, auf welchen Originalbibelstellen die Zeichentrick-Episoden beruhen, es gibt aber auch ein Online-Spiel und Quizfragen. Es bleibt zu hoffen, dass bei den Kindern ein Interesse an den biblischen Geschichten geweckt wird. Die Fährte wurde jedenfalls ausgelegt.

www.chirho.tv
www.chirho.kika.de

Barbara Schneider

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